Warum ein Unfallgutachter sinnvoll ist

Lange Zeit denkt man: „Mir kann so etwas nicht passieren.“ Doch irgendwann knallt es wie aus heiterem Himmel und das womöglich noch bei der unpassendsten aller denkbar gewesenen Gelegenheiten. Ist ein Unfall aber erst einmal passiert, dann steht man oft da und beschuldigt sich – wahrscheinlich mehr aus Verzweiflung als aus objektiven Gründen – gegenseitig. Vor allem aber, wenn Sie sich im Recht sehen, sollten Sie nicht auf einen Unfallgutachter verzichten; so können Sie sich zukünftigen Ärger mit der Versicherung des Unfallverursachers ersparen und das Beste aus der Situation für sich herausholen. Hier kommt die Begründung.

Streitigkeiten zwischen Unfallopfer und der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers sind im Grunde schon objektiv vorprogrammiert. Der eine will naturgemäß den optimalen Schadenersatz erreichen; der andere die Ersatzleistungen so gering wie nur möglich halten. Oft muss man da mit der Lupe dran, denn jede noch so kleine Belanglosigkeit kann sich im Endeffekt gewinn- oder eben verlustbringend auswirken. Hier macht es sehr viel Sinn einen Profi ans Werk zu lassen – und zwar für beide Seiten. Letzteres deshalb, weil gerade auch Versicherungen danach trachten, dem Geschädigten einen eigenen Gutachter aufzuschwatzen, der den finanziellen Schaden für den Verursacher und seine Versicherung natürlich zu drücken versuchen wird. Dies ist deswegen möglich, weil sich die Schätzung des Unfallschadens in der Regel immer in einem bestimmten Spielraum bewegt. Diesen wird ein von der Versicherung des Verursachers gesandter Gutachter logischerweise immer im Interesse seiner Klienten auszulegen wissen, während dem Geschädigten mit Professionalität und Seriosität zugleich signalisiert wird, hier gehe alles absolut mit rechten Dingen zu.

In Wahrheit sieht das Ganze allerdings ein wenig anders aus. Der Geschädigte muss nämlich keineswegs den von der Versicherung des Verursachers beauftragten Gutachter akzeptieren. Genauso wenig muss er den von ihm eigens beauftragten aus eigener Tasche bezahlen – vorausgesetzt er hat sich nicht von der gegnerischen Versicherung dazu überreden lassen, ihr die Schadensregulierung vollends zu überlassen. Ist dies der Fall, so hat er die Chance auf eine faire und für ihn günstige Ersatzleistung im Grunde bereits verwirkt. Bei klarer Schuldfrage sollte man deshalb immer entweder einen Verkehrsrechtsanwalt anrufen oder einen anderen, neutralen Gutachter einbestellen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs im Jahre 2014 steht dieses Recht jedem zu und die anfallenden Honorare müssen zu hundert Prozent von der gegnerischen Versicherung übernommen werden. Natürlich kann es durchaus vorkommen, dass die Versicherung schlussendlich einen Gegengutachter zurate zieht. Da sie jedoch auch für diesen die Kosten selbst tragen muss, wird sie sich drei Mal überlegen, ob die Investition eine sinnvolle ist und nur bei glasklarer Sachlage derlei Gegenstöße wagen. Mittlerweile gibt es auch unabhängige Gutachter, die sogar noch am Unfalltag einen Sichtungstermin versprechen. Informieren können Sie sich diesbezüglich auch online. Schauen Sie etwa auf dieser Website.

Wie schon erwähnt bezahlt in der Regel die Versicherung den Gutachter. Allerdings gibt es hier durchaus uneindeutige Fälle, bei welchen Sie gut aufpassen sollten. Dies kann der Fall sein, wenn die Kosten unter 900 Euro bleiben. Hier könnte das Gericht die Summe als unverhältnismäßig dementieren. Ferner muss man sich an den Kosten beteiligen, sobald eine Teilschuld nachgewiesen werden kann. Darüber hinaus gibt es Sonderregelungen, wenn eine Kaskoversicherung vorliegt. Hier sollten Sie sich aber immer erst von einem ausgewiesenen Experten beraten lassen. Im Notfall könnte außerdem eine Vermittlung durch einen Ombudsmann Abhilfe schaffen.

Festzuhalten ist, dass Sie im Falle eines Unfalls als klarer Geschädigter stets einen eigenen Gutachter heranziehen und niemals voreilige und bindende Absprachen mit der gegnerischen Versicherung treffen sollten. Im Zweifelsfall wird die letztere nämlich immer erst den eigenen Vorteil auszunutzen suchen.