Renault Megane mit Elektorantrieb: Continental will’s wissen

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150 Kilometer Reichweite, eine Akkuladezeit von zweieinhalb Stunden und keinerlei Einbußen beim Platzangebot: Mit einem selbst entwickelten, elektrifizierten Renault Megane zeigt Reifenhersteller Continental, das rein elektrisch angetriebene Kompaktwagen keineswegs nur Zukunftsmusik sind.

Der Großteil der Bauteile ist bereits marktreif oder wird schon in Großserie produziert. Das umgerüstete Fahrzeug hat bereits mehr als 10.000 Kilometer im öffentlichen Straßenverkehr zurückgelegt. Herzstück des Continental-Erprobungsträgers ist ein Synchronmotor, wie er in den Elektrofahrzeugen von Renault bereits tausendfach im Einsatz ist. Der Motor erreicht eine Leistung von 70 kW / 95 PS und ein maximales Drehmoment von 226 Newtonmeter. Mit ihm beschleunigt der Continental-Prototyp in 11,9 Sekunden auf Tempo 100.

Gekoppelt ist der Elektromotor an ein integriertes Einstufen-Differential-Getriebe samt mechanischer Parksperre sowie einer Leistungselektronik und einem Steuergerät von Continental. Die Leistungselektronik entstammt einem flexiblen Baukastensystem der zweiten Generation, die etwa 30 Prozent kleiner als in der ersten Generation und zu den kompaktesten Komponenten am Markt gehören soll Durch die Kompaktheit wird Bauraum gewonnen und das Fahrzeuggewicht reduziert. So wurde unter der vorderen Haube zusätzlich Platz gewonnen. Bei einem Serienfahrzeug könnte dort ein weiterer Stauraum etwa das Reifenreparaturset, das Bordwerkzeug und das Ladekabel aufnehmen.

Zudem haben die Ingenieure die diversen Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs so in das Auto integriert, dass sie gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen mehrere Meter an Hochvoltkabeln und zahlreiche spezielle Steckverbindungen sparen. Das führt zu einem deutlichen Kostenvorteil und reduziert zugunsten der Reichweite einmal mehr das Gewicht.

Das Lithiumionen-Batteriesystem mit Flüssigkeitskühlung wiegt 154 Kilogramm und lässt sich ohne Platzeinbußen in einem Sandwichboden unter den Sitzen integrieren. Kofferraumvolumen und Innenraumvariabilität des Versuchsträgers bleiben so unangetastet. Das Batteriepaket hat bei einer Nennspannung von 355 Volt eine Kapazität von 18 Kilowattstunden. Das ermöglicht eine Reichweite von maximal 150 Kilometern.

Geladen wird der Akku mit einem neuen Ladesystem (On-Board-Charger) von Continental, das reif für die Serienentwicklung sein soll. Durch die Ladeleistung von bis zu zehn Kilowatt lässt sich das Fahrzeug in etwas mehr als zweieinhalb Stunden komplett laden. Der Prototyp einer Verteilerbox sichert und überwacht die Steckverbindungen aller Hochvolt-Verbraucher und kann temporär nicht benötigte Komponenten abschalten.

Continental hat für den Prototypen auch eine Ladebuchse entwickelt, die den Fahrzeugbesitzer auf einen Blick über den aktuellen Status seines Wagens informiert. Sie ist nicht nur weiß beleuchtet, damit man auch nachts problemlos Strom zapfen kann. Ein blinkender LED-Ring verdeutlicht das Laden, ein Farbwechsel von gelb bis grün, wie weit der Ladevorgang fortgeschritten ist. Zudem hat das Unternehmen für Elektrofahrzeuge ein internetbasiertes Portal entwickelt, über das der Fahrer vom heimischen Computer aus oder per Smartphone direkten Zugriff auf seinen Wagen hat. Mit wenigen Mausklicks können Ladezeit und Ladezustand des Akkus abgelesen werden. Zukünftig soll so auch das Lademanagement gesteuert und das Fahrzeug konditioniert werden. Dann startet der Ladevorgang zum Beispiel nur während des günstigen Nachttarifs oder die Klimaanlage kühlt das Auto herunter, solange der Wagen noch am Stromnetz hängt.

Eine weitere Innovation im elektrischen Demonstrationsfahrzeug ist das weltweit erste aktive Gaspedal, das „Accelerator Force Feedback Pedal“ (AFFP) von Continental. Es steht unmittelbar vor dem Serieneinsatz und bietet neue Möglichkeiten, den Autofahrer bei einem möglichst sparsamen Fahrstil zu unterstützen. In Abhängigkeit etwa des jeweils gewählten Fahrprogramms lässt sich zum Beispiel ein variabler Druckpunkt im Pedalweg erzeugen, der dem Fahrer die optimale Gaspedalstellung signalisiert. Gleichzeitig kann in Relation zum Ladestand des Akkus ein steigender Gegendruck aufgebaut werden, der auf eine schwindende Reichweite aufmerksam macht – und zum sparsamen Tempo auffordert. Weil solche Hinweise auch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor den Alltagsverbrauch senken können und das AFFP zudem als Warnsignal bei drohenden Gefahren eingesetzt werden kann, beschränkt sich sein Einsatz nicht allein auf Elektrofahrzeuge.

Der umgebaute Versuchsträger steht außerdem auf neu entwickelten Reifen mit Namen „Conti.eContact“. Mit seinem ungewöhnlichen Format von 195/55 R20 und den Aerodynamik-Felgen bietet er einen um etwa 30 Prozent reduzierten Rollwiderstand und damit einen deutlichen Reichweitengewinn, so Continental. Bis zu zehn Prozent mehr Kilometer sollen mit den neuen Reifen, bei automatisch überwachten Reifendruck, möglich sein.

Bei der Rekuperation, der Rückgewinnung von Bremsenergie, setzt Continental auf das ESC-Steuergerät MK 60, das bereits in Großserie in mehr als 50 Millionen herkömmlichen Fahrzeugen verschiedenster Hersteller weltweit eingebaut ist. Es steuert zentrale Funktionen wie das elektronische Stabilitätsprogramm, das ABS, die Traktionskontrolle oder die Berganfahrhilfe. Für den Einsatz im Elektrofahrzeug hat Continental den Funktionsumfang des Steuergeräts erweitert. Aus der Gas- und Bremspedalstellung des Fahrers, Lenkwinkel, Längs- und Querbeschleunigung ermittelt es das sicherste Zusammenspiel von Rekuperation und Reibbremse. So soll es ein möglichst gewohntes Fahrgefühl bei einer bestmöglichen Energierückgewinnung ermöglichen.