Peugeot 308 im Fahrbericht: Feiner Franzose

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Weich. Das ist der Begriff, an den man auf den ersten Metern im neuen Peugeot 308 denkt. Und das wiederum ist positiv, wenn man in einem französischen Auto sitzt. Denn es zeigt, dass die vorwiegende Tugend eines französischen Autos – nämlich die, weich zu sein – auch im neuen 308 bewahrt wurde. Doch früher hatte genau diese Tugend auch ihre Schattenseiten: Die Franzosen alter Schule federten zwar mit brillantem Komfort, doch spätestens auf kurvigen Landstraßen hatten sie eine Straßenlage wie der sprichwörtliche Schluck Wasser im Glas. Wie also schlägt sich der neue Peugeot 308 bei unserem ersten Test in der Franche Comté?

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Passend zur wunderschönen Landschaft muss natürlich auch die Optik des Golf-Angreifers stimmen, der in diesen Tagen auf der IAA (12. bis 22. September) vorgestellt wird. Und hier hat sich beim neuen 308 fast schon eine kleine Revolution vollzogen. Wie bei allen anderen Modellen von Peugeot sind die Zeiten des überdimensionalen Kühlermauls nun endgültig vorbei. Auch das etwas pummelige Heck der seit 2007 gebauten 308-Reihe ist verschwunden. Stattdessen punktet der neue mit klaren, unverschnörkelten Linien, einem straffen Heckabschluss und einer angriffslustigen Frontpartie. Dies soll nicht nur den europäischen sondern auch den chinesischen Markt ansprechen, wo der neue 308 Ende nächsten Jahres starten wird.

Der neue 308: Alle Preise, alle Daten

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Zum hiesigen Marktstart gibt es den neuen 308 in drei Ausstattungsvarianten. Die Pakete Active und Allure (rund 2.000 bis 4.000 Euro Aufpreis) unterscheiden sich von der Basisversion Access (ab 16.450 Euro) durch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Berg-Anfahrhilfe, einem 9,7-Zoll großen Touchscreen und Einparkhilfe hinten. Das größte Paket Allure erhält zusätzlich Voll-LED-Scheinwerfer, ein Navigationssystem mit größerem Ausstattungsumfang und eine Einparkhilfe vorne. Doch schon in der Basisversion bekommt der Käufer sechs Airbags, Klimaanlage und Zentralverriegelung mit Fernbedienung. In allen Ausstattungsversionen sind verschiedene Farbkombinationen für Lack und den Innenbereich wählbar. Auch Leder und Alcantara werden hier angeboten. Das Innenraumgefühl wirkt insbesondere mit dem aufpreispflichtigen Panoramadach sehr luftig.

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Das neue Peugeot i-Cockpit ist sehr hoch angeordnet, das Lenkrad sehr klein, was für eine gute Übersicht sorgt. Einzig das zentrale Display zwischen den Armaturen hätte größer ausfallen können. Über das ab der mittleren Ausstattungsvariante Active serienmäßige Touchscreen-Display steuert man alle wichtigen Fahrzeugfunktionen. Ansonsten verzichtet Peugeot weitgehend auf Knöpfe, was der Übersichtlichkeit sehr zugute kommt. Die Sitzposition ist angenehm tief und bereits die Seriensitze bieten eine angenehme Rückenunterstützung sowie guten Seitenhalt. Auch die Hinterbänkler haben ausreichend Platz und im Kofferraum ist dank 470 Litern Volumen auch für die Reise zu viert viel Platz.

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peugeot 308 23Doch zurück zur Ausgangsfrage: Wie weich ist der neue 308 nun wirklich? Die Antwort fällt überraschend positiv aus. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten jeglicher Art tugendhaft angenehm, doch die Achillesferse französischer Autos – Sie erinnern sich: der Schluck Wasser – wurde dem 308, der auf der von PSA entwickelten Plattform EMP2 basiert, beinahe vollständig ausgetrieben. Selbst in schnell gefahrenen Kurven kommt keine spürbar hohe Seitenneigung auf. Die Hinterachse stabilisiert das Fahrzeug, anstatt es – wie früher – gefährlich aufzuschaukeln. Die Vorderachse bietet dabei in allen Fahrsituationen ein sehr hohes Gripniveau und bleibt jederzeit gut lenk- und kontrollierbar. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Lenkung schwergängiger, was zur Folge hat, dass bei langsamer Fahrt die Rückmeldung etwas verloren geht. Alles andere ginge jedoch zu Lasten der Handlichkeit und Wendigkeit des Peugeot in der Stadt. Dank der langen Übersetzung ist die Getriebeabstufung insbesondere für die Langstrecke ideal und auch wenn es  französisch-typisch mit langen, hakeligen Schaltwegen nervt, passt es zu den angebotenen Motoren, die jederzeit guten Kraftschluss bieten.

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peugeot 308 24Für unsere Testfahrten standen der 1,6 Liter große e-HDI-Diesel mit 115 PS sowie der ebenfalls 1,6 Liter große Benziner mit 125 PS zur Verfügung. Aufgrund des niedrigen Gewichts von lediglich 1160 Kilogramm (ca. 140 Kilogramm weniger als beim Vorgängermodell) haben die Motoren mit ihren 270 (Diesel) bzw. 200 Nm (Benziner) leichtes Spiel und beschleunigen den Franzosen in gut 9,7 respektive 10,9 Sekunden auf 100 km/h. Bei Reisetempo auf der Autobahn ist der 308 flüsterleise, es sind kaum Wind- oder Abrollgeräusche zu verzeichnen. Auch hier bleibt die Federung weich und angenehm. Das Drehzahlniveau bleibt erfreulich niedrig und wir haben keine Zweifel, dass beim Diesel im Drittelmix regelmäßig eine Vier vor dem Komma stehen wird –  angegeben wird er mit 3,8 Liter auf 100 km.

Für 2014 sind weitere Motorenvariationen angekündigt: So wird es einen 1,2-Liter-THP-Benzin-Motor mit 110 oder 130 PS sowie neue Dieselmotoren mit 1,6 bis 2,0 Liter Hubraum und 120 bis 150 PS geben. Für die Leistungshungrigen dürfte es mit dem 308 R Concept, das ebenfalls auf der IAA stehen wird, ein ganz besonderes Schmankerl aus der französischen Gourmetküche geben. Es könnte der Vorläufer für einen zukünftigen 308 GTi mit mindestens 200 PS sein. Ein Allrad-Hybrid für die Zukunft ist außerdem denkbar.

Fazit von Redakteur Maximilian Planker:
Peugeot will mit dem neuen 308 endgültig auf Augenhöhe mit dem ewigen Klassenprimus VW Golf landen. Der erste Eindruck zeigt: Es ist den Franzosen tatsächlich gelungen, ein rundum gutes Paket auf die Beine zu stellen. Der 308 federt bravourös, ist sehr leicht und dazu gut verarbeitet. Er bietet darüber hinaus selbst in der Basisversion eine bereits zufriedenstellende Ausstattung. Oh ja, der Löwe ist bereit zum Angriff – und gar nicht mehr so weich wie früher.

Technische Daten:*
Modell: Peugeot 308
Motoren: 1,2l bis 1,6l, Benziner und Diesel
Leistung: 82 bis 155 PS
Drehmoment: 118 bis 270 Nm
Antrieb: Front, Fünf- und Sechsgang-Handschaltung, Sechsgangautomatik
Gewicht: 1075 – 1165 Kg
Abmessungen (LxBxH): 4,25 x 1,80 x 1,45 m
Verbrauch: 3,8 bis 5,8 l/100 km
0 – 100 km/h: 8,4 bis 13,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 172 bis 215 km/h
Preis: ab 16.450 Euro
* Herstellerangaben

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