Neue Motoren: Unterwegs in Astra 1.6 SIDI und Zafira 1.6 CDTI

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Opel wird bis zum Jahr 2016 seine gesamte Motorenpalette erneuern. Viel Wert wird dabei auf Effizienz und Laufkultur gelegt. Wir gingen mit dem neuen 170 PS starken 1,6-Liter SIDI Benziner im Astra und dem 1,6-Liter CDTI Dieselmotor im Kompaktvan Zafira auf Tuchfühlung.

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Schaut man sich voreingenommen die Leistungsdaten des neuen „Hightech-Dieselmotors“ an, gewinnt man schnell den Eindruck, dass die 136 PS aus knapp 1,6 Litern Hubraum nicht viel gegen die über 1600 Kilogramm Leergewicht des Zafira ausrichten können. Doch man sollte nicht zu früh urteilen. Opel verspricht mit dem neuen CDTI einen kraftvollen, geräuscharmen und besonders sparsamen Antrieb – vorbei die Zeiten von nagelnden Dieseln mit ausgeprägtem Turboloch und einem roten Bereich diesseits der 4000 U/min. Nach mehreren – mehr oder weniger gelungenen – Anläufen will Opel endgültig weg vom Image von veralteter Technik und biederer Optik und hin zur dynamischen und umweltbewussten Qualitätsmarke. In der ersten Sitzreihe des Zafira wird das mit schicken Sportsitzen, feinen Analoganzeigen mit Chromring und hochwertigen Applikationen sowie LED-Beleuchtung bemerkbar. Mitfahrer, die mit der zweiten Sitzreihe vorlieb nehmen müssen, merken auf der hart gepolsterten und kaum ausgeformten Bank, die individuell verschiebbar ist, leider nur wenig davon.

Doch was spielt sich unter der Haube ab? Fest steht, dass der kleine Vierzylinder-Diesel dank guter Kapselung kaum vernehmbar ist. Im Stand dringt – sofern nicht die Start-Stop-Automatik eingreift – nur ein ganz leises Nageln in den Innenraum, ebenso bei langsamer Fahrt. Dank des Turboladers mit variabler Turbinengeometrie liegen ab 2000 U/min die vollen 320 Nm Drehmoment an. Reizt man die ersten drei Gänge bis zur Nenndrehzahl von 5000 U/min aus, stehen nach immerhin 11,2 Sekunden 100 km/h auf dem Tacho. Das ist zwar für heutige Verhältnisse nicht überragend schnell, reicht jedoch, um gegen die Konkurrenz von Volkswagen, Renault oder Kia locker zu bestehen.

Bis 160 km/h schlägt sich der Motor in Anbetracht des Gewichts und des cw-Wertes erstaunlich wacker, die Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h wird allerdings nur mit Mühe erreicht. Mit der zuletzt beschriebenen Fahrweise kann man den angegebenen kombinierten Verbrauch des zuerst im Zafira eingeführten CDTI jedoch selbstverständlich nicht erreichen. 4,1 Liter auf 100 Kilometer sind sowieso nur mit äußerster Anstrengung und Verzicht auf spontane Überholmanöver, zügige Autobahnetappen und nicht zuletzt aller spritfressenden Verbraucher zu erreichen. Mit einer gemischten Fahrweise im „Tour-Modus“, der die Gasannahme und das adaptive Dämpfersystem auf lange Touren – sprich: komfortabel und gedämpft – einstellt, sind zwischen fünf und sechs Liter möglich. Diese gehen in Anbetracht der Fahrzeuggröße in Ordnung, sind aber insbesondere im Hinblick auf den Hauptkonkurrenten VW Touran lediglich guter Durchschnitt.

Starker Bruder: Der 2.0 Bi-Turbo CDTI im Zafira

Ebenso fällt auch das Gesamtfazit zum neuen Diesel im Zafira aus: Zum Preis ab 28.250 Euro bietet die selbsternannte „Wellness-Lounge auf Rädern“ ausreichend Platz für die Familie und ebenso ausreichende Fahrleistungen bei guter Energieeffizienz. Wer viel Autobahn mit überwiegend schnelleren Abschnitten fährt, sollte aber den bald kommenden 1,6 CDTI mit 150 PS, den Top-Diesel mit 195 PS oder den starken Benziner mit 170 PS in Erwägung ziehen, die das Angebot nach oben abrunden.

Der SIDI genannte Benzin-Direkteinspritzer (SIDI = Spark Ignition Direct Injection) ist ebenso wie der Diesel eine Neuentwicklung und löst den alten 1,6 MPFI Turbo in Astra und Zafira ab. Er ist überdies im Cabrio Cascada und im Insignia erhältlich und wird in zwei Leistungsstufen mit 140 und 170 PS zu haben sein. Zunächst stand uns nur die starke 170-PS-Motorisierung im Astra GTC zur Verfügung, die den 180 PS leistenden 1.6 Turbo als bisher stärksten Benziner im GTC ablöst. In den übrigen Astra-Modellen ist dieser aber weiterhin neben dem 195 PS starken 2.0 Biturbo-Diesel und dem neuen 1.6 SIDI erhältlich. Als gut ausgestatteter „Innovation“ kostet der GTC mit dem neuen Motor 26.650 Euro, die Basis-Version „Edition“ steht mit 23.850 Euro in der Preisliste. Die Astra Limousine und der Kombi Sports Tourer kosten mit dem 1,6 SIDI Benziner zwischen 23.285 und 28.665 Euro.

Im Fahrbericht: Insignia 2.0 Turbo 4×4

Opel hat bei der Neuentwicklung des SIDI ebenfalls viel Wert auf Effizienz, Laufruhe und Durchzugskraft gelegt. Im unteren Drehzahlbereich bis 2000 U/min fühlt man sich dank des plötzlich einsetzenden Turboschubs, der immerhin 280 Nm freisetzt, beinahe an einen Diesel erinnert. Das leider nicht sehr präzise schaltbare Sechsganggetriebe kann ab diesem Zeitpunkt auch getrost in Ruhe gelassen werden, denn der kleine Vierzylinder dreht willig bis zum Drehzahlbegrenzer hoch, liefert ab 4000 U/min einen schönen sonoren Klang und ebenso passende Spurtzeiten. So sind 100 km/h in 8,6 Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit wird mit 219 angegeben. Ebenso wie beim zuvor gefahrenen Diesel ist auch hier der angegebene kombinierte Verbrauch von 6,1 Liter auf 100 km (wie bei allen Herstellern) ein eher theoretischer Wert: Selbst mit sehr sensiblem Gasfuß sind unter sieben Liter kaum machbar und rauben darüber hinaus jeglichen Spaß am Fahren. Denn Spaß macht der Astra GTC. Die Lenkung arbeitet überaus präzise und angenehm schwergängig, das Fahrwerk gibt gute Rückmeldung über den Straßenzustand ohne dabei ruppig oder unkomfortabel zu werden. Auf den Sportsitzen sitzt es sich bequem mit gutem Seitenhalt – lediglich das Instrumentenbrett wirkt mit vielen verstreuten Schaltern unübersichtlich. Was dem positiven Gesamteindruck vom Astra GTC jedoch keinen Abbruch tut.

Die neuen Motoren tun Opel gut. Sie machen aus der Marke eine ernstzunehmende Konkurrenz auf Augenhöhe zu den Mitbewerbern im Bereich der Kompaktwagen und Limousinen der Mittelklasse. Niedriger Verbrauch bei guter Leistungsentfaltung dürften die Kunden überzeugen. Mit der angekündigten Runderneuerung der Motoren- und Getriebepalette bis 2016 kann man nur hoffen, dass sich dies auch dauerhaft auf die Verkaufszahlen auswirken wird.

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