Mitsubishi Lancer Evolution MR im Test

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Außerordentliche Vorfreude auf einen Testwagen – dieses Gefühl entwickelt sich nicht bei jedem neuen Modell, das auf den Parkplatz unserer Redaktion rollt. Der seit 2009 angebotene Mitsubishi Lancer Evolution MR ist allerdings so ein Auto, das unser Herz schneller schlagen lässt. Und dann ist er endlich da. Glücklicherweise versucht Mitsubishi erst gar nicht zu kaschieren, dass es sich um ein Homoligationsfahrzeug für den Rallysport handelt. Dafür wartet der eine oder andere Redakteur auch gerne einmal fast vier Jahre auf die erste Testfahrt.

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Der Evo! Der Brand Sharpener seit 1992 für die ansonsten eher bieder agierende Marke aus Japan. Bereits in der 10. Entwicklungsstufe treibt diese viertürige Limousine der unteren Mittelklasse auf den internationalen Rallypisten ihr Unwesen – mit den größten Erfolgen vor allem in den 90er Jahren. Vier Fahrertitel und einen Markentitel konnte die Marke mit den drei Diamanten im Firmenlogo in der Rallye WM erringen, bevor die Übermacht der französischen Hersteller in diesem Sport nicht mehr zu stoppen war. Das Rezept der damaligen Erfolge, das bis heute seine Gültigkeit hat: Ein quer eingebauter robuster Zweiliter-Vierzylinder, der auch dem Einsatz von mächtigen Turboladern stand hält und in jeder Lebenslage über ein ausgetüfteltes Allradsystem seine Leistung an alle Arten von Untergrund abgeben kann. Und da viel Leistung viel kühlende Luft und auch etwas aerodynamischen Abtrieb braucht, verpassen die Japaner dem hausbackenen Lancer seit jeher zahlreiche Be- und Entlüftungsschächte an der Front, sowie einen üppigen Spoiler am Heck.

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Lancer-Evo-MR-2013-(16)Trotz Ausstiegs aus dem werksseitigen Rallye-Engagement sollte mit dem aktuellen Evo X sogar alles noch besser werden. Erstmals gibt es ein Basisfahrzeug, das durchaus seine optischen Reize hat und auch technisch ging es mit Doppelkupplungsgetriebe, aktivem Mittendifferenzial und Giermomentregelung kräftig nach vorne. Die Vorfreude scheint also durchaus berechtigt. Besonders, da es sich bei unserem Tester um die Variante mit dem High-Performance-Paket handelt, das den 295 PS starken Lancer noch mit Bilstein Stoßdämpfern, Eibach Federn, Recaro Sitzen, BBS Felgen, Brembo Bremsen und einem Doppelkupplungsgetriebe verfeinert.

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Lancer-Evo-MR-2013-(18)Doch leider endet die Vorfreude schlagartig mit dem Drehen des fummeligen Drehschalters an der Lenksäule. Einen Zündschlüssel gibt es Dank Smart-Key-System nicht mehr und Motor-Sound leider auch nicht. Dem gezündeten Triebwerk entweicht nur ein trübes Verbrennungsgeräusch aus den mächtigen Endrohren und auch mit steigender Drehzahl tut sich nicht viel. Akustisch nicht und auch in Sachen Vortrieb nicht. Dieses Aggregat soll knapp 300 PS haben und den Fahrer in 5,6 Sekunden auf 100 km/h katapultieren? Der Blick in den Fahrzeugschein gibt ein wenig Aufklärung über das Leistungsmanko: Stolze 1,7 Tonnen wiegt der Evo, mehr als ein aktueller BMW 520i. Doch das alleine kann nicht der Grund für den scheinbar müden Antritt des Mitsubishis sein. Es fehlt einfach der ungehobelte Turbo-Punch aus alten Tagen, den man von einem Auto mit solch pubertärem Äußeren erwartet. Schlussendlich trägt auch das unmotivierte Doppelkupplungsgetriebe seinen Teil dazu bei, dass wir uns irgendwie einen Evo 8 oder 9 zurückwünschen.

Lancer-Evo-MR-2013-(11)Im krassen Gegensatz zur gebotenen Leistung steht dagegen der Verbrauch: „Unzeitgemäß“ ist ein heutzutage gerne verwendetes Adjektiv, aber noch nie traf es besser zu, als bei diesem Allradsportler. Unter 14 Liter im Schnitt ist nur bei extremer Schleichfahrt möglich und genau diesen Fahrzustand mag der Lancer Evolution überhaupt nicht. Er will nur eins: Brachial getreten werden! Je mehr, desto besser lautet hierbei die Devise. Wer das Getriebe auf Sport oder Super Sport stellt und sich traut, schneller in eine Kurve hineinzufahren, als es einem der gesunde Menschenverstand einzureden mag, wird mit knackig kurze Schaltzeiten und dank hervorragend arbeitender Drehmomentverteilung an alle vier Räder mit aberwitzigen Kurventempi belohnt.

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Doch genau diese Stärke des Lancers ist auch sein größtes Problem, denn wann kann man es sich erlauben, ein für den Rallyesport entwickelten Wagen im Alltag und auf öffentlichen Straßen an der Haftungsgrenze zu bewegen? Selten! Aus wirtschaftlicher Sicht muss das jeder für sich selber entscheiden, aber 49.950 Euro und bis zu 25 Liter verbranntes Super Plus auf 100 Kilometer sind für ein Auto, das den normalen Alltag nur äußerst widerwillig meistert, schon ein Ansage. Und aus rechtlicher Sicht wird die Situation noch schwieriger. Denn wenn einem nach heißem Ritt auf kurvenreicher Landstraße schon die Motorradfahrer mit eindeutigen Handzeichen grüßen, weiß man, in welchen Geschwindigkeitsbereichen man sich aufgehalten hat. Aber für diese kurzen Augenblicke hat der Evo Spaß gemacht. Sehr sogar.

Technische Daten*
Modell: Mitsubishi Evo X
Motor: Vierzylinder Turbo-Benziner, 1998 ccm
Leistung: 295 PS bei 6500 U/min
Drehmoment: 366 Nm bei 3500 U/min
Antrieb: Allrad, Sechsgang-Doppelkupplung (TC SST)
Verbrauch: 10,4 Liter /100 Km Super+
0-100 km/h: 5,6 sek.
Vmax: 242 km/h
Preis: ab 49.950 Euro
* Herstellerangaben