Fahrbericht VW Golf VII 4Motion

Früher war alles besser – sagt man. Anders war es auf jeden Fall, denn der Allrad-Golf hieß beispielsweise synchro. 26 Jahre ist das nun her und es hat sich viel getan seit dem. Denn nicht nur der Name ist mit 4Motion nun ein anderer, auch die Technik ist weitaus komplexer, als das früher der Fall war. Ob sie hält was sie verspricht haben wir getestet:

Als erster Eindruck – Der GOLF „Sitzt. Passt. Kratzt nicht!“

Im Verkehr von München nach Kitzbühel meistert er seine Sache gewohnt gut. Nach kurzer Zeit auf der Autobahn fühlen wir uns so wohl, dass wir das Fahren direkt einmal dem radargestützten Tempomaten überlassen. Den Autobahnteil endlich abgespult, schlängeln sich die Straßen gen Kitzbühel. Langsam wird es weiß um uns herum und wir erfreuen uns an der faszinierenden Landschaft. Am Berg angekommen, bekommen wir Instruktionen, wo man die Kitzbühler Straßen noch ein wenig intensiver begutachten und richtige Höhenluft schnuppern kann. Die Streckentipps sind notiert und wir wieder im Auto um den 4Motion endlich abseits der perfekt geräumten Landstraßen zu testen. Und tatsächlich, der Golf hat das Zeug zum Bergsteiger: Verschneite und scheinbar längst nicht mehr genutzte Auffahrten zu kleinen urtümlichen Pensionen meistert er ohne mit der Wimper zu zucken. Dank sei der Haldex-5-Kupplung – der 4Motion ist mehr semi- denn permanenter Allradantrieb – und den Traktions-Assistenten.

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Schnee, Matsch, Eis – Wir sind in der 4MOTION Welt angelangt

Die braucht es auch, denn der von uns gefahrene Zweiliter-TDI mit 150 PS und sauberen 320 Nm verführte uns auf verschneiter oder nasser Fahrbahn, den Golf häufiger zum Übersteuern zu bewegen. Doch keine Angst! Dank elektronischer Vier-Rad-Differentialsperre EDS, ESP und Vorder- wie Hinterachs-Quersperre, ließ uns der 4Motion auch in schwierigen Situationen – wenn Schneehöhe und Fahrgeschwindigkeit nicht recht zusammenpassen wollten – nicht im Stich. Denn bringt man den Allradler ins Straucheln, regeln die Assistenzsysteme über die Haldex-Kupplung als Längs- und die EDS als Quersperre die Raddrehzahlen auf gewünschtes Niveau. Als Zusatzfunktion bietet der Allrad-Golf mit XDS ein Plus an Fahrstabilität. Denn im Gegensatz zum aus den GTI-Modellen bekannten Eingreifen an der Vorderachse wirkt die elektronische Quersperre beim 4Motion auch an der Hinterachse. Cleveres Anbremsen der kurveninneren Räder bei schneller Kurvenfahrt lassen den Golf so schön in die Kurve eindrehen und ein unangenehmes Untersteuern vermeiden.

Wir möchten nicht darüber streiten wie permanent der Allradantrieb im 4Motion Golf wirklich ist oder welchen Anteil am Traktionsvorsprung die einzelnen Komponenten des wirklich gut funktionierenden ESP-Systems haben. Fest steht, dass VW hier ein Auto zusammenbringt, das die sowieso schon lange Liste an Vorzügen noch um einige Dimensionen erweitert. Und auch wenn sich das Gros der Kunden mehr an der gesteigerten Stabilität auf rutschigen Fahrbahnbelägen erfreut, so ist es doch schön zu sehen, dass so eine bremsengesperrte Hinterachse in den Kitzbüheler Alpen selbst aus dem Golf einen Spaßbringer macht.

Optisch bleibt der 4Motion dem Golf der siebten Serie treu, unterscheidet sich nur durch die verchromten Schriftzüge von den Brüdern. Preislichen Einstieg findet der Allradler mit dem 1.6 TDI in der Trendline Ausstattungsvariante mit 22.525 Euro und liegt so 1.800 Euro über seinem Frontantriebskollegen. Als 2.0 TDI „Highline“ werden dann mindestens 28.725 Euro fällig.

Und natürlich wird der Golf nicht die letzte Allrad-Spielart sein. Denn der Blick in die Zukunft lässt uns einen Golf Plus, einen Cross Golf, einen Golf Variant, ja vielleicht sogar einen Golf Alltrack erkennen. Womöglich sogar mit Benzinmotor… bestätigten wollte das in Kitzbühel aber niemand.

Text: Christian Blug