Volvo S60 D4 im Test: Unterwegs mit neuem Drive-E Diesel

Volvo-S60-(10)

Nachdem Volvo erst kürzlich das komplette Modell-Portfolio einem schicken Facelift unterzogen hat, sollen nun die neuen Drive-E Motoren mit besonders guten Verbrauchs- und Emissionswerten punkten. Im wunderschönen Hinterland der Côte d’Azur konnten wir die neuen Motoren einem ersten Test unterziehen.

Schicke Kompakter: Unterwegs im Volvo V40 T5

Vorbei die Zeiten, in denen die Volvo-Flotte durch großvolumige Acht-, Sechs- und Fünfzylinder befeuert wurde. Wie die meisten Hersteller können sich auch die Schweden nicht dem Trend zum Downsizing widersetzen. Doch im Land der Elche geht man gleich einen Schritt weiter und setzt ausschließlich auf vier Zylinder – zumindest in den großen Baureihen. Bis dahin wird es aber noch etwas dauern, ebenso bis die neuen Vierzylinder-Aggregate mit zwei Litern Hubraum und 181 bis 306 PS durch Turbo oder kombinierter Turbo-Kompressor-Aufladung in allen Modellen Einzug halten. Den Anfang macht ab Jahresende die 60er-Baureihe. Der sehr gefragte V60 Plug-In-Hybrid wird allerdings erst später von den neuen Motoren profitieren, ebenso die Oberklassemodelle V70 und der S80. Dafür startet die Neuauflage des XC90 nächstes Jahr direkt mit Drive-E.

Volvo-60-Range

Alle neuen Drive-E Motoren kommen in Volvo S60, V60 und XC60 zum Einsatz.

 

Großer, kerniger Bruder: Unterwegs im Volvo XC90 D5

Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse sind zu gewöhnlich? Mit dem Volvo S60 kann man sich trefflich von der Masse abheben.

Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse sind zu gewöhnlich? Mit dem Volvo S60 kann man sich trefflich von der Masse abheben.

Zurück zu unserem Testkandidaten, dem S60. Wie bei den eng miteinander verwandten Kombi- und SUV-Versionen wurden auch Exterieur und Interieur der von uns gefahrenen Mittelklasselimousine verjüngt. Volvo selbst spricht von der „umfangreichsten Modellüberarbeitung“ überhaupt. Doch in Deutschland werden die Veränderungen wahrscheinlich weniger auffallen als im Heimatland Schweden oder in den USA als wichtigem Markt. Warum? Die Chance, hierzulande einem Volvo auf der Straße zu begegnen, ist bei einem Marktanteil von rund einem Prozent relativ gering. Ein Volvo ist eben ein Auto für Individualisten, und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Schließlich sind die vergleichbaren Konkurrenzmodelle von Audi, BMW und Mercedes oftmals sogar einige Euro günstiger. Der 60er startet preislich bei 33.750 Euro als Limousine in der Basis-Ausstattung.

Schon lange steht das "S" bei Volvo für eine Limousine. Wer einen Kombi braucht, bevorzugt den "V" und für Kernige gibt es die XC-Modelle.

Schon lange steht das „S“ bei Volvo für eine Limousine. Wer einen Kombi braucht, bevorzugt den „V“ und für Kernige gibt es die XC-Modelle.

 

Überblick: Weitere Testberichte

Volvo-S60

Keine Frage: Das Cockpit des Volvo S60 ist hochwertig und Edel. Hier nimmt man gerne Platz – auch für längere Touren.

Dafür stimmt die Qualität, und ein neues Infotainmentsystem samt Apps und Internetanschluss soll den technologischen Rückstand wiedergutmachen. Unser Test eines Prototypen konnte den hohen Anspruch allerdings noch nicht ganz erfüllen. In Sachen Sicherheit ist Volvo dagegen schon immer ganz vorn mit dabei und erledigt seine Hausaufgaben stets vorbildlich. Beispielsweise erkennen die Sensoren nun auch vorausfahrende Radfahrer sowie sich schnell nährende Fahrzeuge beim Rückwärtsausparken. Wer sich eine ausgeprägte Fahrdynamik und noch mehr Sportlichkeit wünscht, findet diese in Form der R-Design-Ausstattungen. Erfreulich finden wir, dass diese ebenfalls mit den neuen, bei mehr Leistungen deutlich sparsameren Motoren angeboten werden – so schließt das eine das andere nicht aus.

Zwei Liter Hubraum leisten die neuen Drive-E Motoren. Die Leistungsspanne reicht von 120 bis 230 PS bei den Dieseln und 140 bis 306 PS bei den Benzinern.

Zwei Liter Hubraum leisten die neuen Drive-E Motoren. Die Leistungsspanne reicht von 120 bis 230 PS bei den Dieseln und 140 bis 306 PS bei den Benzinern.

Während der Durchschnittsverbrauch der Benziner wie etwa beim S60 T5 mit 245 PS im Vergleich zum Vorgänger um bemerkenswerte 27 Prozent auf 5,9 Liter je 100 km (137 CO2) reduziert werden konnte, sind die Dieselaggregate von Natur aus noch sparsamer. Der von uns gefahrene S60 D4 soll trotz der um elf Prozent auf 181 PS gesteigerten Leistung nur noch 3,7 Liter Diesel verbrauchen, was eine Verringerung von immerhin 14 Prozent entspricht. So sinkt auch die CO2-Emission unter die magische Grenze von 100 g/km. Damit auch aus dem Fahrer ein „Spar-Meister“ gibt auf dem zentralen Display in der recht übersichtlichen Mittelkonsole Tipps zur Effizienzsteigerung des eigenen Fahrstils. Der Economy-Modus der digitalen Instrumente soll zudem mit einem beruhigen Farbschema und der Anzeige der gerade abgerufenen Kraft zum weiterten Sprit-Sparen animieren.

Volvo-S60-(9)

Ablösung des C30? So könnte ein Volvo C40 aussehen

Trotz seiner 181 PS soll der neue D4-Motor im Volvo S60 einen Durchschnittsverbrauch von 3,7 Litern ermöglichen.

Trotz seiner 181 PS soll der neue D4-Motor im Volvo S60 einen Durchschnittsverbrauch von 3,7 Litern ermöglichen.

Auch wenn wir es auf unserer Testfahrt nicht ganz auf einen Verbrauch von unter vier litern geschafft haben, so waren wir doch immerhin nicht weit entfernt vom offiziellen Wert und dabei nicht besonders langsam unterwegs. Das moderne Zweiliter-Triebwerk mit Twin-Turbo und 440 Nm Drehmoment (ab 2.100 U/min) bringt den S60 D4 in 7,4 Sekunden auf Tempo 100 und macht ihn 230 km/h schnell. Zum Vergleich: Der 177 PS starke Audi A4 2.0 TDI benötigt für den Sprint 8,1 Sekunden und ist mit einem Verbrauch von 4,1 Litern angegeben. Kombiniert werden kann das neue Diesel-Aggregat im S60 D4 entweder mit einer Achtgang-Automatik oder einem manuellen Getriebe mit sechs Gängen.

Was bleibt ist die Frage, wie Kunden – sowohl in Europa wie auch in Übersee – auf den baldigen Verzicht auf Sechs- und Achtzylindermotoren reagieren, ob die schwedischen Konkurrenz-Modelle von Audi A6 (S80) oder BMW X5 (XC90) tatsächlich gänzlich ohne unter der Haube platzierte Status-Symbole verzichten können. Aber immerhin waren Volvos schon immer für Individualisten und kreative Querdenker, die sich aus solchen Überlegungen nichts machen. Die Chancen stehen als gut für die Schweden.

Text: Christian Sauer