Fahrbericht Suzuki Swift Sport

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Downsizing. Fast alle Hersteller reden darüber und manche können sogar erste Erfolge vorzeigen. Doch einen kümmert diese Thema überhaupt nicht: Suzuki. Denn wer nur kleine, leichte und schwach motorisierte Fahrzeuge anbietet braucht sich keine Gedanken darüber machen, wie er Abmessung, Gewicht und Verbrauch in seiner Produktpalette reduzieren könnte. Mit diesen Voraussetzungen steht Suzuki nicht gerade als emotionalster Automobilhersteller da, doch ein Glanzlicht gibt es. Einen kleinen Freudenspender, der mit etwas zu vielen Pferdestärken und einem knackigen Fahrwerk dem Fahrer das Grinsen ins Gesicht zaubert. Sein Name: Suzuki Swift Sport.

Wie macht Suzuki das nur? Seit Jahrzehnten präsentiert das Unternehmen mit stoischer Kontinuität erfolgreich Motorräder mit der Modellbezeichnung GSX-R, die weltweit als richtungsweisende Sportler in allen Hubraumklassen gelten, haben jedoch mit dem Swift Sport nur ein einziges Automobil im Programm, das mit ähnlichen sportlichen Genen glänzen darf, aber im Markt kaum wahrgenommen wird. Dabei legten die Japaner bereits 1986 den Grundstein für den sportlichen Swift, der damals noch GTI genannt wurde. Rückblickend betrachtet wirkt es fast so, als ob in diesem Jahr ein einziges Mal ein Entwickler aus dem Zweirradbereich beim Mittagessen zwischen Sushi und Misosuppe den heiligen Gral der Gixxer (umgangssprachlicher Begriff für eine GSX-R) an einen Kollegen der Automobilabteilung überreicht hätte. Die darin enthaltene Formel ist simpel und dennoch wirkungsvoll: Wenig Hubraum und hohe Drehzahl müssen viele Pferdestärken produzieren und dann auf wenig Gewicht treffen.

Ende der Achtziger waren das im Falle des Swift dann genau 1300 ccm und 101 PS, die mit rund 700 kg kämpften. Heute sind es 1600 ccm und 136 PS, die sich mit 1115 Kilogramm rumschlagen müssen. Klingt nach einer enttäuschenden Entwicklung, ist es aber zum Glück nicht, denn der Ende 2011 präsentierte Swift Sport ist einfach nur kurvengeil. Er lenkt messerscharf ein, hat ein wunderbar lebendiges Heck, das auch bei provozierten Lastwechseln nicht mit einer bösen Überraschung aufwartet. Gleichzeitig beweist es, dass eine solche Präzision nicht mit elektronischem Schnickschnack, übertriebener Härte oder absurden Reifendimensionen erkauft werden muss. Mit 195/45er Reifen holt man heute wirklich an keinem Stammtisch mehr einen Stich, hält aber im kurvigen „Dog Fight“ die direkten Konkurrenten MINI Cooper und Ford Fiesta S locker hinter sich.

Doch damit nicht genug der Wadenbisse für die Wettbewerber. Denn auch wenn alle drei Kompakten ihre Kraft klassisch freisaugend produzieren und über ein manuelles Getriebe an die Vorderräder weiterleiten, will dies nur der Suzuki mit unnachahmlicher Gier ständig beweisen. Sein eng gestuftes Sechsgang-Getriebe verwöhnt den Fahrer nicht nur mit knackig kurzen Schaltwegen, der ans Getriebe angeschlossene Vierventiler mit zwei obenliegenden Nockenwellen und variabler Ventilsteuerung beweist auch unglaublichen Drehwillen bis kurz hinter die 7000er Marke. Da mag es fast ein wenig enttäuschen, dass die optisch sehr ansprechende Links-Rechts Doppelrohr Auspuffanlage nicht einen dazu passenenden Ton produzieren will.

Doch haken wir das unter negativen Kleinigkeiten ab, denn der Swift Sport kann noch mehr. Zum Beispiel geben die serienmäßigen Sportsitze sehr gutem Seitenhalt und sind auf längeren Strecken nicht unbequem, auch wenn die Sitzposition dem einen oder anderen vielleicht etwas zu hoch erscheinen dürfte. Und sparsam ist der 385-Zentimeter-Zwerg außerdem. Die offiziell angegeben 6,4 Liter im Schnitt sind realistisch und selbst wenn man die Gänge durchreißet und den Vierzylinder bis zum Drehzahlbegrenzer jubilieren lässt – so richtig zweistellig will der Verbrauch nie werden.

Der Suzuki Swift Sport ist einfach ein grundehrliches Auto ohne marketing-heischende Sensationen. Im Innenraum sind nur so viel Knöpfe und Schalter wie nötig und das Äußere betont den sportlichen Charakter so subtil, dass es nicht albern wirkt. Für gerade einmal 18.490 Euro erhält man einen sportlichen Begleiter für den Alltag, der sinnvoll ausgestattet ist – inklusive Bi-Xenon Scheinwerfer, Klimaanlage und Soundystem. Die Liste der zusätzlich wählbaren Sonderausstattungen reduziert sich somit nur noch auf die Frage, welche der fünf Farben man nimmt und wohin die erste kurvige Ausfahrt starten soll. Denn der Swift Sport will eigentlich nur eins: Unterhalten. Und das Unplugged.

Technische Daten
Modell: Suzuki Swift Sport
Motor: Vierzylinder Benzin, 1586 ccm
Leistung: 100 kW/136 PS
Drehmoment:160 Nm
Antrieb: Front, Sechsang manuell,
Verbrauch: 7,5 Liter/100 Km Benzin
0-100km/h: 8,0 Sek.
Vmax: 190 km/h
Preis: ab 18.490 Euro