Fahrbericht Subaru XV: Zwischen Boulevard und Waldweg

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Schon beim – sehr späten – Erscheinen des Subaru XV stellte sich dem Betrachter folgende Frage: Wieso springt der weltgrößte Hersteller von Allrad-PKW erst jetzt auf den Zug der kleinen SUV auf, der schon seit Jahren bares Geld in die Bahnhöfe der Hersteller liefert? Schließlich baut man ohnehin nur Autos, die alle Viere für die Fortbewegung nutzen.

Zwar gibt es hier den Forester und dort den Tribeca. Doch ersterer ist – der Name lässt es schon erahnen – eher als Nutzfahrzeug bei Waldhütern beliebt. Der Tribeca wiederum ist ein Dickschiff im oberen Preissegment, das zudem in Deutschland zu den absoluten Exoten gehört. Aber was kann der neue, „kleine“ XV denn nun, dass er sich beim kritischen deutschen Kunden in der zweifelsohne sehr engen Lücke zwischen Tiguan, Qashqai, Kuga oder dem ebenfalls brandneuen Mazda CX5 quetschen kann? Ist die lange Wartezeit vielleicht dafür genutzt worden, den XV mit allerlei technischem Schnickschnack auszustatten, den die Konkurrenz nicht bietet?

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Optisch zumindest geht der Subaru seinen eigenen Weg und wirkt erfrischend unkonventionell. Die Haube fällt für einen SUV relativ stark nach vorne ab, dafür sind die Backen aufgeplustert und vermitteln einen robusten, „offroadigen“ Eindruck. Und mit Matsch und Schotter hat der XV dann auch überhaupt kein Problem, schließlich blickt Subaru auf eine erfolgreiche Karriere in der Rallye Weltmeisterschaft zurück. Abseits von Asphalt und Teer fühlt sich ein Subaru also eigentlich erst richtig wohl. Der permanente Allradantrieb dürfte ihm dort auch gelegentliche Vorteile gegenüber der Boulevard-SUV-Konkurrenz verschaffen. Aber wie bei den Wettbewerbern dürfte man auch den Subaru nur selten mit matschverschmierter Karosserie zu sehen bekommen.

Doch auch vor den Boutiquen der Großstadt macht der mit der Topausstattung „Exclusive“ geschmückte kleine Klettermaxe eine ausgesprochen gute Figur, sogar trotz oder gerade wegen seiner auffälligen Lackierung in „Tangerine Orange Pearl“, das von Dritten auch gerne „Krass Orange“ genannt wurde. Doch die Farbe steht dem XV exzellent und sorgt zudem für verdrehte Hälse.

Außen hui….

Von außen ist der Subaru also ein Volltreffer, sportlich bullig und fließend elegant gleichermaßen. Im Innenraum dagegen bläst noch deutlich spürbar das laue Lüftchen der 90er Jahre. Besonders der Mitteltunnel mit einer Kunststoffmischung, die direkt aus dem Opel Vectra A stammen könnte und die Bedieneinheit des sehr angenehmen Glasschiebedachs, mit der wahrscheinlich schon der Toyota Carina Generation Eins belüftet wurde, schrecken im ersten Moment ab. Immerhin sitzt man hier in einem Fahrzeug für über 32.000 Euro. Zu allem Übel gesellt sich dann noch ein Klappern aus der Mittelkonsole, der Schiebedach-Einheit und dem Kofferraum dazu, dem auch nach ausführlicher Suche nicht auf die Schliche gekommen werden konnte.

Der große Touchscreen entschädigt für optische, haptische und qualitative Unzulänglichkeiten. Aber auch nur solange, bis man ihn bedienen muss. Es braucht schon einen wirklich beherzten Druck mit der Fingerspitze, um ihm überhaupt eine Reaktion zu entlocken. Und auch dann nimmt sich der Screen gerne eine oder zwei Gedenksekunden, bis er dem Druck auch Taten folgen lässt. Zu allem übel sind die Buttons winzig, ihre Anzahl ist fast unüberschaubar und die Menüs sind derart verschachtelt, dass man den Touchscreen schon nach kurzer Zeit meidet, und zumindest die wichtigsten Radiofunktionen nur noch über das Multifunktions-Lenkrad steuert. Hinzu kommt, dass die unkomfortable Bedienung des Mediencenters während der Fahrt aufgrund ihrer Trägheit und der erforderlichen Zielgenauigkeit derart vom Straßenverkehr ablenkt, dass es leicht gefährlich werden kann. Hier muss Subaru dringend nachbessern.

Ein komfortabler Cruiser

Ohne wirklichen Anlass zur Beanstandung meistert der Subaru seine Paradedisziplin – das Fahren. Der 150 PS starkeVierzylinder-Boxer verrichtet selbst beim Kaltstart seinen Dienst angenehm leise. Allerdings lässt ihn das stufenlose CVT-Getriebe bei flotterer Fahrweise hin und wieder mächtig aufkreischen, was so gar nicht zum Charakter des XV passen will. Wer diese Klangentgleisung gewissendlich überhört und stramm auf dem Gas bleibt, der ist mit dem japanischen Kompakt-SUV ausreichend flott unterwegs. Die Überlegung, dem Getriebe per Schaltpaddel am Lenkrad selbst auf die Sprünge zu helfen, sollte man allerdings ganz schnell wieder verwerfen. Man wird hier von der Automatik derart bevormundet, dass der Spaß daran innerhalb weniger Minuten wieder verfliegt. „Wieso etwa darf ich bei Tempo 60 zwar bis in den ersten Gang runter schalten, aber nicht hoch in den sechsten?“ – stellt sich unserem Redakteur mehr als einmal die Frage. „Ich würde gerne Sprit sparen, aber das Auto lässt mich nicht“. Also wieder raus aus der manuellen Gasse und trotz nicht immer sensiblem Gasfuß bei knapp über acht Litern Verbrauch dahincruisen. Ein immer noch ordentlicher Wert für den leicht übergewichtigen Japaner (1,5 Tonnen).

Das gemütliche Fahren ist ohnehin die große Stärke des XV. Das Fahrwerk findet den perfekten Kompromiss aus sportlich straff und rückenschonend weich. Man gleitet leise dahin und fühlt sich in exakt passendem Maße entkoppelt vom Zustand der Straße. So empfiehlt sich der Subaru XV dann auch als ideales Reisefahrzeug. Dank der wirklich überzeugenden Platzverhältnisse im Innenraum reisen übrigens vier Erwachsene auch über lange Strecken entspannt. Sowohl vorne als auch in der zweiten Reihe darf man dabei als Insasse gerne europäisches Gardemaß oder mehr besitzen. Wirklich überzeugend!

Und so hinterlässt der erste Kompakt-SUV von Subaru nach zwei Wochen Alltags-Dauereinsatz einen durchaus guten Eindruck, der nur  durch nicht immer passend gewählte Materialien sowie das ärgerliche Entertainment-System und leichte Klappergeräusche getrübt wird. Ob er allerdings gegen die hierzulande etablierte Konkurrenz aus Asien und Europa bestehen kann, muss der XV erst noch beweisen –  ob ihm dabei die Gnade der späten Geburt (wie beim VW Tiguan) hilft oder die Japaner ihr Kompakt-SUV viel zu spät positioniert haben, wird dann ebenfalls geklärt.

Technische Daten
Modell: Subaru XV 2.0i
Motor: Vierzylinder Boxer-Benziner, 1995 ccm
Leistung:150 PS bei 6200 U/min
Drehmoment: 196 Nm bei 4200 U/min
Antrieb: Allrad, CVT-Getriebe
Verbrauch: 6,6 L/100 km (Herstellerangabe)
0-100 km/h: 10,7 sek. (Herstellerangabe)
Vmax: 187 km/h
Zuladung: 500 Kg
Preis: ab 23.700 Euro

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