Range Rover Evoque 2.2 SD4 im Fahrbericht

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Die ewige Gretchenfrage der Gattung SUV: Gelände ja oder Gelände nein? Nun, im Falle eines Range Rover sollte man doch eigentlich ohne zu Zögern mit einem dicken, fetten “JA” antworten. Schließlich sind die britischen Kraxler gerade für Ihre Geländegängigkeit weltbekannt. Aber wenn man sich den schicken Evoque (sprich: Ih-wook) so anschaut, dann sieht er nicht unbedingt nach dem geeigneten Wald- und Wiesenfahrzeug aus. Zu schick, zu flach, zu durchdesignt kommt er daher, innen wie außen.

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Aber spätestens, wenn der Fahrer in der Mittelkonsole die Fahrwerksoptionen und Getriebeuntersetzungen erspäht, dann wird klar, das Range Rover den kleinen Ableger mit allen Geländetugenden ausgestattet hat, die auch die großen Brüder berühmt gemacht haben. Dedizierte Fahrprogramme für Eis und Schnee, Geröll und natürlich für das Fahren am Berg sind mit an Bord. Da kommt trotz feinem Leder, toller Verarbeitung und Flüster-Diesel ein wenig Freiheitsgefühl und der Drang nach kleinen Abenteuern auf. Und diese lässt der Evoque auch gerne zu. Im strömenden Regen einen matschigen Waldpfad mit großer Steigung zu überwinden stellt den Freeclimber im Maßanzug vor keine allzu großen Probleme.

Nur die dicke Schicht aus Matsch, die sich gleichmäßig um alle vier Radkästen verteilt, steht dem kleinen Range dann doch nicht ganz so gut wie einem Land Rover Defender. Man erwartet fast, dass er sich – seinem ästhetischen Leitmotiv folgend – kurz schüttelt wie ein Labrador nach einem Regenspaziergang. Die Fahrt zu nächsten Waschanlage bleibt dann aber wohl doch Aufgabe des Besitzers.

Das favorisierte Revier des Evoque ist allerdings, wie bei den meisten anderen Kollegen auch, der Asphalt. Auf Autobahnetappen lässt es sich höchst entspannt dahingleiten, dank der 190 PS auch gerne etwas oberhalb der Richtgeschwindigket. Das Fahrwerk bleibt dabei absolut ruhig, der Motor hält sich akustisch zu jeder Zeit zurück und die Sitzposition lässt sich selbst bei knapp zwei Metern Körpergröße ideal justieren. Innen bietet der Evoque deutlich mehr Raum, als es sein gedrungenes, keilförmiges Äußeres erahnen lässt.

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Wie jedes Fahrzeug aus dem Hause Land Rover / Range Rover lässt sich auch der Evoque mit dem exzellent klingenden Meridian-Soundsystem ausstatten. Und auch hier ist der Klang über jeden Zweifel erhaben. Wenn man sich denn erstmal durch den vermaledeiten Touchscreen und das dahinter steckende, völlig am Nutzer vorbeigeplante Entertainmentsystem geklickt hat. Hier ist schnellstens Nachbessern angesagt. Nicht nur der Touchscreen reagiert so träge, als müsse er jede Berührung erstmal berechnen, die gesamte Menüführung ist ohne Struktur und alles andere als intuitiv. Im Zeitalter der Smartphones ist man deutlich besseres gewöhnt.

Neben der Bedienung des Multimediasystem ist es vor allem die Gangschaltung, die uns zu schaffen macht. Die Gänge lassen sich nur mit Nachdruck einlegen, der Schalthebel ist störrisch und knochig, wenn auch sportlich kurz. Auf unebenen Straßen viel zudem der Armaturenträger durch zeitweiliges Knarzen negativ auf und die Lenkung wirkt teilweise unangenehm stark von der Straße entkoppelt. Für Preise jenseits von 40.000 Euro in der getesteten Version irgendwie ärgerlich und vor allen Dingen vermeidbar. Und auch beim Verbrauch gibt sich der Brite wenig genügsam. Bei 190 PS sind knappe zehn Liter Durchschnittsverbrauch nicht unbedingt ein Vorzeigewert. Allerdings gehört der nur 4,36 Meter lange Kompakt-SUV mit 1.700 Kilogramm auch zu den Moppeln. Ein vergleichbarer BMW X1 bringt locker 100 Kilo weniger auf die Waage.

Nichtsdestotrotz macht der kleine Range vieles richtig. Angefangen bei der extravaganten Silhouette. Verdrehte Hälse sind nichts Unübliches, dafür sorgen das aggressive Leuchtendesign vorne und die abfallende, für schießschartenartige Fensterlinien sorgende Dachlinie im hinteren Bereich, gepaart mit einem knackigen, sehr eckigen Hinterteil. Geschmacksache sicherlich, aber absolut eigenständig und vor allen Dingen mutig. Eine Eigenschaft, die vielen Herstellern heute leider fehlt. Range Rover hat den Evoque ganz bewusst in einer völlig anderen Designlinie gestaltet als die anderen Modelle des Hauses.

Es geht hier also nicht um Wiedererkennbarkeit innerhalb der Marke, sondern um Wiedererkennbarkeit per se. Überall und jederzeit. Wo ein Audi mit dickem Single-Frame-Grill unverkennbar als solcher identifiziert werden soll, obwohl sogar Kenner erst beim zweiten Hinsehen einen A4 von einem A8 unterscheiden können, da soll sich der Betrachter beim Evoque fragen: “Verdammt, was ist das?”. Und im besten Falle dann einen Schritt näher treten und nach dem Markenemblem schauen. Für alle Kurzsichtigen steht’s dann aber auch noch mal in großen Lettern am Heck. Und an der Front. Und auf dem Lenkrad. Nun ja, ein wenig Markenpflege muss dann wohl doch sein.

Technische Daten*

Modell: Range Rover Evoque 2.2 SD4
Motor: Vierzylinder, Turbo-Diesel
Hubraum: 2179 ccm
Leistung: 190 PS bei 3500 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 1750 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,0 sek.
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Verbrauch (kombiniert): 9,8 Liter / 100 km
CO2-Emissionen kombiniert: 174 g/km
Leergewicht: 1670 kg
Preis: ab 45.900 Euro
*Herstellerangaben

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