Fahrbericht: Porsche 911 GTS

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Gut ein Jahr ist es nun her, dass wir den 911 Carrera GTS der Baureihe 997 II gefahren sind, doch erst jetzt wird uns so richtig bewusst, um was es damals ging.

Gewettert haben wir gegen die Neuerscheinung. Ein straßenzugelassener Carrera GTS? Undenkbar! Nur die heftigsten Sportgeräte aus Zuffenhausen und Weissach durften diesen Titel bis dato tragen. Doch das Erscheinen des neuen 911ers – des 991 – hat uns milde gestimmt. Warum? Weil man einen Porsche 911 nicht einfach verändern darf. Der Mensch reagiert befremdlich auf Veränderungen. Und genau deshalb ist der 911 Carrera GTS der beste Porsche der vergangenen Jahre und verdient ein paar Zeilen, auch wenn man ihn gar nicht mehr kaufen kann.

Das Kürzel GTS würde schlicht für „Gewinn-treibendes Sondermodell“ stehen, haben wir in unserer ersten Reaktion auf die Neuerscheinung geschrieben. Eine Behauptung, die man in Stuttgart nicht auf sich sitzen lassen wollte. Der Carrera GTS trage seinen Namen zu Recht und man würde uns dies auch zeigen – so die Worte aus Stuttgart. Kurz darauf befanden wir uns im Flieger nach Kalifornien um dem 911 rund um die Wüstenoase Palm Springs in den Hügeln so richtig die Sporen zu geben.

Und machen wir es kurz: Der GTS ist eine Sensation. Seit 2004 haben wir uns an die Form des 997 gewöhnt und der letzte ist einfach immer der Beste. Der Carrera GTS kann als Essenz der Baureihe gewertet werden. Alle Fehler und Makel wurden im Laufe der Jahre abgestellt, technisch und optisch wurde das Sondermodell mehr als geschmackvoll komponiert und das Ganze gibt es dann auch noch zu einem günstigeren Preis, als wenn man einen normalen Carrera S ähnlich aufrüsten würde.

Uneins sind wir uns hingegen bei der Frage, ob man den Elfer als Cabriolet oder als Coupé nehmen sollte. Klar, Performancejünger werden die schlechteren Steifigkeitswerte und das erhöhte Gewicht des offenen GTS bejammern, doch dafür gibt es ja den GT3. Und genau an dieser sportlichen Speerspitze des Modellprogramms findet man die Legitimation für den GTS. Wer den Drang nach etwas mehr Sportlichkeit und Definiertheit jenseits eines Carrera S suchte, der musste zwangsläufig zum GT3 greifen. Den meisten Kunden – im gesetzten Alter – war das aber zuviel des Guten. Eine stramme Kupplung, ein noch strammeres Fahrwerk und ein Boxer, der seine Angriffslust in jeder Situation laut herausposaunt. Nein, ein GT3 ist kein Auto für den Silver-Ager.

Jetzt ist es auch nicht so, dass wir uns im besten Alter befänden, Gefallen am GTS haben wir dennoch gefunden. Der 3,8-Liter-Motor läuft mit seinem neuen Saugrohr zur Höchstform auf und gepaart mit dem serienmäßigen Klappenauspuff spielt er tontechnisch ganz weit vorne mit. Mit 408 PS sind aber auch die nackten Performancezahlen nicht wirklich schlecht. Cabrio-Mehrgewicht hin, Cabrio-Mehrgewicht her. Das Wildlederlenkrad fasst sich nicht nur gut an, es dirigiert den GTS auch spontan in die gewünschte Richtung. Der Schaltstock des manuellen Getriebes hüllt sich ebenso griffig und mit der optionalen Schaltwegverkürzung ist es eine Freude durch die Gassen zu flippern. Wer hier nach einem PDK fragt, der etwas Grundlegendes nicht verstanden. Denn auch hier greift die GTS-Philosophie wieder. Es ist ein Auto das aktive gefahren werden möchte, aber eben nicht immer auf der letzten Rille, sondern einfach nur zum Spaß. Ein Auto für Genießer.

Und deshalb muss auch das Dach runter. Dann brennt nicht nur die kalifornische Wüstensonne besser auf die Haut, sondern dann kann der Boxersound das Trommelfell noch ungefilterter massieren. Und wenn das Grinsen immer breiter wird, die Bremspunkte immer später und die genutzte Drehzahlspanne immer größer wird, ist der Carrera GTS am Ziel.

Ob die Traktion mit den 305 Millimeter breiten Hinterrädern auf den Zentralverschlussfelgen nun wirklich spürbar besser ist, wagen wir nach unserer Ausfahrt nicht zu bewerten. Und so geht es uns auch mit den sonstigen Änderungen gegenüber der Serie, denn schlecht ist auch ein normaler Carrera nicht. Es ist aber die Vollkommenheit, die den GTS auszeichnet. Er kann alles, was man abseits einer Rennstrecke von einem Porsche 911 erwarten kann. Und das ohne übertriebene Härte, ohne ausladende Spoiler, ohne große Show.

Aber mit einem großen Namen. Und er hat ihn verdient. Wirklich. Vor allem wenn wir ihn mit dem neuen 991 vergleichen ….

Bilder:  Marc Urano für das Autofahrer Magazin