Fahrbericht Land Rover Freelander 2 2.2 SD4

Einen schicken Boulevard entlang cruisen, vor der Szene-Bar parken und einen schönen Latte im spätwinterlichen Sonnenschein schlürfen, anschließend noch schnell auf der Schicki-Micki-Einkaufszeile die neuste Hemdenkollektion einer beliebigen Trendmarke checken.

Alternative: Unterwegs im Range Rover Evoque

So könnte gut und gerne das Leitmotiv der aktuellen “Generation SUV” lauten. Möglichst schick muss er sein, am besten kompakt, vollgepfropft mit Extras und durch die in den meisten Fällen lediglich zwei angetrieben Räder eher für den Großstadt-Dschungel denn für echtes Unterholz geeignet. Das verbietet in den meisten Fällen aber ohnehin die fehlende Bodenfreiheit. Wer seinen BMW X1 auf eine kleine Offroad-Tour ausführt, der sollte die Nummer des ADAC auf der Schnellwahltaste abgelegt haben. Ein Auto für Lifestyler eben.

Ganz anders der Land Rover Freelander 2. Ein Brite von echtem Schrot und Korn. Liebling der Forstwirtschaftler und Landbesitzer – dachten wir. Doch spätestens, als der Freelander in seinem schicken Dunkelrot mit schwarzen Applikationen, den grauen 19-Zoll-Edelfelgen und gleißendem Xenon-Gefunkel in der Redaktion vorfährt, mischt sich die Überraschung mit einer kleinen Portion Enttäuschung. Sollte der aktuelle Freelander genau wie die gesammelte Konkurrenz nur noch ein weichgespülter Familien-Kombi auf Stelzen sein?

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Der durchgestylte Autoschlüssel – der den Namen auf Grund des fehlenden echten Schlüssels gar nicht verdient – bestätigt unsere Vorahnung. Mensch, wie schick! Ein Druck auf das Knöpfchen, schon klappen sich Außenspiegel im LKW-Format aus und die Xenon-Scheinwerfer projizieren eine hellblaue Lichtwand an das Mauerwerk.

Mit einer entspannten Bewegung landet man ohne jegliche Verrenkung im Ledersessel, der hohen Karosserie sei dank. Innen erblickt das Tester-Auge feinstes Leder, einen riesigen Touchscreen-Bildschirm als zentrale Bedieneinheit der brilliant klingenden Meridian-Soundanlage und ein Platzangebot, das unmittelbar zu einer langen Tour in die Alpen einlädt. Fast könnte man meinen, man sei fälschlicherweise in einen Range Rover eingestiegen. Aber nein, das grüne Logo im dicken Pralltopf des feinen Lederlenkrades bezeugt: eindeutig ein Land Rover.

Fahrberichte: Unterwegs im ….

Zeit den Motor anzufeuern. Per Knopfdruck, versteht sich. Und prompt kommen die gerade eben noch ins Hinterzimmer der im eigenen Hirn angelegten Vorurteilskammer verbannten Begriffe wie Bauer und Förster wieder mit Anlauf durch die eigentlich fest verschlossene Tür gerammt. Sicher, unter der roten Haube arbeitet ein Selbstzünder, dass der Landy einem diese Tatsache allerdings mit solch lauter Vehemenz entgegenschmettert, damit konnte man nach dem luxuriösen Einstand nun wirklich nicht rechnen. Nicht nur beim Start nagelt es gar wunderbar, auch nach einer Warmfahr-Runde versucht der kleinste aller Land Rover sein Verbrennungsprinzip nicht zu verheimlichen.

Was wohl zumindest teilweise auch der Automatik zuzuschreiben ist. Denn diese scheint nicht zu kümmern, welcher Motor unter der Haube seinen Dienst tut. Es ist ein 2.2 Liter großer Vierzylinder-Diesel mit strammen 190 PS und kräftigen 420 Newtonmetern Drehmoment. Diese Leistungswerte hat dem Getriebe allerdings wohl keiner mitgeteilt – wie auch, bei dem Lärm. Zumindest unserer Ansicht nach, ist solch ein Diesel-„Krach“ kaum vertretbar.  Nun, ganz so schlimm ist es objektiv gesehen dann wohl doch nicht, aber für einen modernen Diesel ist der Freelander 2 eindeutig zu laut. Noch dazu raubt ihm die Automatik durch das gelegentliche, störrisches Verharren in der Region um 5000 Umdrehungen viel Kraft, die diesel- und drehmomenttypisch schon viel früher anliegt. Wir ertappen uns mehr als einmal dabei, den Wählhebel in die manuelle Gasse zu schieben und von Hand mindestens einen Gang höher zu schalten. Wenn der Freelander 2 einmal die Richtgeschwindigkeit erreicht hat, entspannt dahingleitet und das manuelle Eingreifen überflüssig ist, herrscht allerdings Ruhe im Karton.

Apropos Karton: Auch wenn der Freelander 2 mit viel Ausstattung glänzt, seine Außenhaut verrät dennoch, dass es sich hier eben nicht um den typischen Luxus-Frachter handelt. Kantig, grob, eckig, steil – Karton-mäßig eben. Und das ist auch gut so. Der Freelander 2 steht deutlich imposanter und  – ja, so muss man es sagen – männlicher als die Konkurrenz von VW, Audi, BMW oder Mazda da. Das wirkt sich außerdem positiv auf den Kofferraum aus, der ebenfalls quadratisch, praktisch und ziemlich groß ist, denn in die Tiefe und in die Höhe lässt es sich ausgezeichnet stapeln.

Insgesamt ist der Freelander 2 eine charmante Mischung aus alten Land Rover-Werten gepaart mit automobilem Luxus der Neuzeit. Über Schwächen wie den nagelnden Selbstzünder kann man bei den vielen Stärken durchaus hinwegsehen.

Als kleine Randnotiz sei allerdings noch erwähnt, dass die Unterhaltungszentrale im schicken Display das wohl verschachteltste, am wenigsten intuitive User Interface seit der Erfindung der Menüstruktur hat. Noch dazu reagiert alles so langsam, dass man leicht die Geduld verliert. In Zeiten von iPhones und iPads ist man einfach anderes gewöhnt. Hier muss schleunigst nachgebessert werden. Denn egal ob Navigation, Wechsel des Eingangssignals oder simples Verstellen der Klangeigenschaften – nichts geht einfach, nichts flutscht, nichts ist mit einem Klick getan. Das stört Förster und Lifestyler gleichermaßen.

Technische Daten*
Modell: Land Rover Freelander 2.2 SD4
Motor: Vierzylinder, Turbo-Diesel
Hubraum: 2179 ccm
Leistung: 190 PS bei 3500 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 2000 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 9,5 sek.
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Verbrauch (kombiniert): 7,0 Liter / 100 km
CO2-Emissionen kombiniert: 185 g/km
Leergewicht: 1805 kg
Preis: ab 36.400 Euro
*Laut Hersteller