Audi S7 Sportback im Fahrbericht

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Man kann der Marke Audi nicht viel vorwerfen. Die Verkaufszahlen sind blendend, die Rendite hoch und die abgeliefert Fahrzeugqualität beeindruckend. Nur das Design, das ist so eine Sache bei den Ingolstädtern. Nein, wir würden nie behaupten, ein aktueller Audi sei hässlich. Ganz im Gegenteil. Die Fahrzeuge mit den vier Ringen sind alle durchaus ansprechend und genau das ist das Problem: Das Design polarisiert in keinster Weise und irgendwie verhält es sich bei der Exterieur-Gestaltung, wie mit convenience food: Schaut gut aus, schmeckt nicht schlecht, isst man vielleicht auch gerne ein zweites Mal, ist aber eigentlich ein wenig fad und eintönig. Doch dann rollt der Audi S7 Sportback ums Eck. Ein Fünf-Meter-Trumm, der die Köpfe drehen lässt.

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Eine Audi-Limousine, bei der Passanten stehen bleiben, sich umdrehen und mit dem Finger drauf zeigen? Das gab es schon lange nicht mehr. Doch wenn man sich dem S7 in diesem betörenden Estorilblau Kristalleffekt Farbton aus einiger Entfernung nähert, wird klar, dieses Fahrzeug polarisiert! Die Meinungen gehen diametral auseinander, reichen von „Dieser hängende Hintern – fürchterlich!“ bis zu „Herrlich – der schönere CLS“. Und damit sind wir auch schon bei den Mitbewerbern im Segment der coupeartigen Luxuslimousinen: Zum einen spielt sich hier der Begründer dieser Klasse, der Mercedes CLS als Platzhirsch auf, zum anderen muss sich der A7 Sportback mit dem Neuling im Bunde, dem BMW 6er Gran Coupé, auseinandersetzen. Die drei deutschen Premiumhersteller treffen sich also mal wieder in einer Nische, um gemeinsam den Kunden den Kopf zu verdrehen.

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Audi-S7-Sportbrake-(21)Im Falle des S7 beginnt diese Verführung bei 80.450 Euro. Dafür bekommt man zwar einen vier Liter großen V8-Biturbo-Motor mit 420 PS, Allradantrieb, Luftfederung und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, doch leider gibt es da noch die endlose Liste wunderbarer Sonderausstattungen, mit denen auch unser Testwagen vollgestopft ist. Zum Beispiel das stimmgewaltige Bang & Olufson-Soundsystem für 6.000 Euro, die kräftig zubeißende Keramikbremsanlage für 8.250 Euro, zahlreiche Assistenzsystem inklusive eines Nachtsichtgeräts für über 5.000 Euro und etliche feine Gadgets mehr. Am Ende der Ingolstädter Shoppingtour addiert sich der Aufpreis zu einer Summe, für die man sich auch einen schicken Zweitwagen leisten könnte: 40.000 Euro.

Doch was bekommt der Kunde für rund 120.000 Euro? Einen souveränen Langstreckengleiter oder eine sportliche Limousine, die zur Kurvenhatz auf ihren wunderbar konturierten Sportsitze einlädt? Leider keins von beidem und anscheinend weiß der S7 auch selber nicht so richtig, was er sein will. Für ein freudvolles Kurvenwedeln bietet die im Testfahrzeug verbaute Dynamiklenkung zu wenig Rückmeldung und selbst im aktivierten Dynamik-Modus ist das Lenkgefühl beim schnellen Ritt auf deutschen Autobahnen indifferent. Das kann der Stuttgarter Wettbewerber vor allem als AMG-Variante deutlich besser.

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Audi-S7-Sportbrake-(24)Aber eigentlich ist der S7 auch kein direkter Gegner zum CLS 63 AMG, dafür fehlen dem Ingolstädter Beau schlicht 100 PS. Dieses Mehr an Leistung bekommt der in den Startlöchern stehende RS7 und da beide Modelle auf dem gleichen Vierliter Direkteinspritzer basieren, ist nachvollziehbar, warum der getestete Audi nur etwas zugeschnürt zur Sache gehen darf. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, angesichts der Leistungswerte mit einer Vier am Anfang, doch wenn man schon provokant vier Endrohre am Heck zur Show stellt, möchte man eigentlich ein wenig mehr Souveränität spüren und nicht im Durchzug oberhalb der Richtgeschwindigkeit auf unseren Autobahnen freundlich lächelnde Manager in ihren potenten Kombis der oberen Mittelklasse am Auspuff schnüffeln haben. Bei 75 Liter Tankinhalt ist das fröhliche Angasen jedoch schnell vorbei. Nach knapp 450 km fragt das freundliche Navigationssystem, ob man zur nächsten Tankstelle geleitet werden möchte – und ja, man will.

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Audi S7 Sportbrack Test

Der Genuss des geschmeidigen Achtzylinder-Sounds fordert eben seinen Superplus-Tribut, jedoch verdirbt die Siebengang S-tronic diese Fahrfreude zum Großteil wieder. Das Doppelkupplungsgetriebe will einfach nicht so richtig mit dem zwei Tonnen schweren „Coupé“ harmonieren. Normales Anfahren an einer Ampel ist definitiv nicht möglich. Wie in einem Smart der ersten Generation knallen die Köpfe beim sanften Tritt aufs Gaspedal gegen die Kopfstützen, so dass der Fahrer den kritischen Blick des Beifahrers zusammen mit der Frage „kannst Du nicht Auto fahren?“ kassiert. Und auch wenn der S7 rollt, ist der Gangwechsel nicht so verschliffen, wie man es sich für ein Auto dieser Klasse wünscht. Dabei hat man im Konzernregal eine wunderbare Wandlerautomatik, die überraschenderweise auch die Kraftübertragung des deutlich sportlicher positionierten RS7 übernehmen wird (Hier unser Testbericht des 560 PS starken, großen Bruders RS7).

Aber so ist das eben, wenn man eine eierlegende Wollmilchsau auf die Räder stellen möchte: Sie kann alles, aber nichts so richtig. Das ist das Schicksal, mit dem der Audi S7 Sportback anscheinend leben muss.