VW Golf GTD im Test: Der Diesel-Wolf im Golf-Pelz

Er ist ein Arbeitstier im Maßanzug und von unseren Straßen nicht mehr wegzudenken, er begründete durch seinen Namen sogar eine eigene Klasse und ist nunmehr seit fast 40 Jahren Sinnbild für das bodenständige und konservative Automobil: Der VW Golf.

Und dann kommt dieser GTD um die Ecke. Tornadorot, schwarzer Dachansatz, schwarze Felgen. Ein Revoluzzer wollte er früher sein, als sparsamstes Serienauto der Welt, anno 1982. Heute will der Volkswagen Golf GTD vor allem eines: so schnell sein wie ein GTI. Und so aussehen.

Golf GTD 2Deshalb garnierten ihn seine Macher mit dem gleichen Lidstrich, der seinen großen Benziner-Bruder von den herkömmlichen Modellen abhebt und ersetzten lediglich die rote Farbe durch edles Chrom. Im Innenraum trägt er das gleiche Karo-Muster – nur eben ohne roten Faden. Und unter der Haube werkeln immerhin 184 Diesel-PS und 380 Newtonmeter. Das sind 30 Newtonmeter mehr als im GTI, aber auch 36 PS weniger. Rot sticht Chrom. Zumindest auf dem ersten Datenblatt.
Was allerdings passiert, wenn dieses Drehmoment-Plus über den leer immerhin 1377 Kilogramm schweren Wagen herfallen, ist mit dem Wort „beeindruckend“ nur unzureichend beschrieben. Die Vorderräder ringen bis in den dritten Gang um Grip und der GTD katapultiert sich in 7,5 Sekunden auf 100 km/h. Natürlich können das andere Autos schneller, lauter und beeindruckender. Der GTI schafft den Sprint selbstredend eine Sekunde schneller. Doch die Art und Weise, wie der Zweiliter-Diesel diese Disziplin abarbeitet, zeugt einfach von golfiger Gelassenheit: er brüllt nicht, er schiebt. Bei Bedarf bis zu 230 km/h.

Golf-GTD-(4)Falls man 1121 Euro für das aktive Fahrwerk DCC in Verbindung mit der Fahrprofilauswahl ausgegeben hat, kann man aus fünf Einstellungen wählen, ob der GTD im Sportmodus nun doch brüllen (per Soundgenerator direkt in den Innenraum), härter federn (aber anders als im Vorgängermodell selbst dann immer noch komfortabel) oder direkter einlenken soll. Wir halten das für eine Spielerei, die ein Golf nicht nötig hat. Egal ob in Stellung Comfort oder Sport liegt das Fahrzeug satt auf der Straße, ohne je ein Gefühl der Unsicherheit zu erzeugen. Selbst sehr schnell gefahrene Autobahnkurven mit welligem Untergrund erzeugen kaum Unruhe an Vorder- und Hinterachse, geschweige denn Schweißperlen auf des Fahrers Stirn. Die Lenkung hat um die Mittellage minimales Spiel, bietet aber ansonsten erfreulich gute Rückmeldung. Wir jedenfalls konnten nicht herausfinden, was für Vorteile die Fahrprofilauswahl hier wie auch am Fahrwerk und an der Motorcharakteristik erzeugen soll.

Golf-GTD

Insofern nutzt auch das Fahrprofil „Eco“, das den Golf so sparsam wie möglich über den Asphalt tragen soll, nicht viel, wenn der Gasfuß des Fahrers nicht so recht mitspielen will. Zwischen sieben und acht Litern stehen bei forcierter Gangart immer auf dem Zettel, nur wer es äußerst behutsam angehen lässt und den Tempomat mit teilweise recht ruppig eingreifenden Abstandsassistenten seine Arbeit machen lässt, kann auch Werte um die fünf Liter auf 100 Kilometer erreichen. Freude am Fahren kommt dann nur beim Lümmeln im Innenraum auf.

Golf-GTD-(2)Auch wenn diese Disziplin durchaus Spaß macht. Denn der GTD-Pilot kann sich in den wunderbaren Sportsitzen trefflich räkeln (Serie) und sich an der unauffällig agierenden Klimaautomatik (ebenfalls Serie) sowie an dem wahrlich perfekten Navigationssystem „Discover Pro“ erfreuen, dessen einfache Bedienung zu den Besten gehört, die wir bisher in einem Auto testen durften. Ob Navigationsleistung, Schnelligkeit des Rechners oder 3D-Darstellung – hier kommt kein Zweifel auf, dass 2315 Euro für dieses Navi gut angelegtes Geld sind. Und wenn wir schon einmal dabei sind – die 660 Euro für das DYNAUDIO – Musiksystem sind es ebenfalls wert. Frischluftfanatiker sollten außerdem zum großen Panoramadach für 1065 Euro greifen, das sich glücklicherweise auch weit öffnen lässt.

Kritikpunkte? Sie sind tatsächlich schwer zu finden bei einem Auto, das merklich über sieben Generationen gereift und gewachsen ist. Die empfindlichen Zierleisten im Innenraum erbt der Golf VII vom Golf VI, ebenso dessen schmutzanfälligen Armlehnenbezüge. Warum VW auf den Zug mit der elektronischen Parkbremse inklusive ruppiger Auto-Hold-Funktion aufgesprungen ist, werden außerdem wohl nur die Mannen aus Wolfsburg wissen. Preislich liegt der GTD mit 29.750 Euro etwas über seinem Konkurrenten aus den eigenen Reihen, doch insbesondere für Vielfahrer dürfte sich das angesichts des deutlich niedrigeren Verbrauchs schnell bezahlt machen.

Galerie: VW Golf VII GTD

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Technische Daten*:
Modell: VW Golf VII GTD
Motor: Vierzylinder-Turbo, 1968 ccm
Leistung: 135 kW / 184 PS bei 3500 U/min
Drehmoment: 380 Nm bei 1750 U/min
Antrieb: Front, Sechsgang-Doppelkupplung (DSG)
Gewicht: 1377 Kg
Abmessungen (LxBxH): 4,26 x 1,80 x 1,45
Verbrauch: 4,2 Liter/100 Km Diesel
0-100km/h: 7,5 Sek.
Vmax: 230 km/h
Preis: ab 29.700 Euro
* Herstellerangaben

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