Stromer mit Zusatz: Mitsubishi Outlander PHEV im Test

„Hybrid. Dat ist doch sowat mit Elektro? Dat gibbet auch schon bissel länger, oda?“

Der ältere Herr mit seinem X6 35d hatte offenbar den prominenten Schriftzug am Mitsubhishi Outlander PHEV nicht übersehen und uns bei einem der seltenen Tankstellenbesuche mit seinem enormen Hintergrundwissen überrascht. Als wir später lautlos von der Zapfsäule wegfuhren, wird er gemurmelt haben: „Dat is schon doll mit so ne Hybrid…“

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Zwei von drei Herzen im Maschinenraum des Outlander. Links der Verbrenner, rechts der Elektromotor.

Hybrid – um zu erklären, was daran so „doll“ ist, müssen wir erstmal Fakten schaffen. Im Mitsubishi Outlander PHEV arbeitet an Vorder- und Hinterachse jeweils ein Elektromotor mit 60 kW Leistung. Damit diese mit ausreichend Strom versorgt werden, sitzt der Fahrer auf einem 300V-Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 12 kWh. Ist diese Batterie voll, sind bis zu 52 Kilometer rein elektrische Fahrt drin.

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Das Aufladen der Batterie an der heimischen Steckdose dauert zwar eine Weile, ist dafür aber kinderleicht zu handhaben.

Das war der elektrische Teil der Fakten, nun kommt der hybridisierte und eigentlich interessante. Denn wenn die Batterie leer ist, hat der Fahrer zwei Möglichkeiten. Die hinderliche: Ab an die nächste Stromtankstelle und die Batterie im besten Fall in 30 Minuten (dann ist es eine der seltenen Schnellladestationen) und im schlechtesten Fall in fünf Stunden (das wäre dann die heimische Steckdose) aufladen. Diese Möglichkeit empfiehlt sich folglich nur, wenn eine Shoppingmöglichkeit für die Beifahrerin in erreichbarer Nähe ist. Maximal 52 Kilometer Reichweite prädestinieren das Fahrzeug nebenbei natürlich für den täglichen Arbeitsweg vieler Pendler.

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Über separate Tasten kann die Batterie sowohl vom Verbrenner aufgeladen, als auch ihre Energie für die nächste Stadtdurchfahrt gespeichert werden.

Die praktische Möglichkeit bei einer leeren Batterie lautet Weiterfahren. Denn der Outlander ist der Gegenbeweis für all diejenigen die glauben, dass Strom einfach so aus der Steckdose kommt. Unter der Haube arbeitet auf Abruf ein Zweiliter-Verbrenner, der mittels eines 70 kW-Generators den Ladevorgang der Batterie übernehmen kann – und zudem falls nötig auch den Antrieb der Vorderachse. So ist der Akku innerhalb von 35 Minuten wieder auf 80 Prozent aufgeladen – nur für den Ladevorgang werden im Stand etwa drei Liter Superbenzin benötigt.

Genug Theoriegeschwätz – wie fährt sich das Hybrid-SUV? Den wählhebelgleichen Pin auf der Mittelkonsole in Stellung „D“ gestupst und ab geht’s. Die mechanisch betätigte Handbremse ist ein beinahe wohltuender Anachronismus. Sonst geht nämlich fast alles mit dem kleinen Finger.

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Die Exklusivfarbe Aqua-Silber steht dem Outlander ausgezeichnet – besonders, wenn sie frisch gewaschen ist.

Wie erwartet fahren wir die ersten Meter beinahe lautlos – das Anrollgeräusch unter Last ähnelt höchstens einer Straßenbahn. Und bis auf die herrliche Ruhe, die die Fahrt umgibt, abseits von störenden, Auspuffsound imitierenden Lautsprechern, fährt der Hybrid-Mitsubishi wie jedes SUV auch. Allein das Bewusstsein, gerade vollkommen emissionsfrei unterwegs zu sein, zaubert ein kleines Lächeln ins Gesicht des Fahrers, denn der muss im Gegenzug keinerlei Komforteinbußen hinnehmen: Platzangebot (bis auf die dritte Sitzreihe), Komfort- und Assistenzsysteme bis zur Geländetauglichkeit gleichen dem normalen Outlander.

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Das Cockpit wirft keine Rätsel auf und ist zudem – wie der Outlander allgemein – gut verarbeitet. Lediglich die Materialien könnten teilweise etwas hochwertiger ausfallen.

Doch da gibt es ja noch diese Wippen hinterm Lenkrad und die hat der normale Outlander nicht. Ungestüme Sportfahrer beschleunigen gleich kräftig los und ziehen in freudiger Erwartung eines Gangwechsels an der „+ Wippe“. Doch es passiert ziemlich genau: nichts. Denn die Kraftübertragung kommt ohne eine Gangabstufung aus – es wird stattdessen mit einer festen Übersetzung gefahren. Während im niedrigen Geschwindigkeitsbereich immer die Elektromotoren arbeiten müssen, um überhaupt eine Fortbewegung zu ermöglichen, schaltet sich bei mehr Kraftbedarf und höheren Geschwindigkeiten der Benzinmotor mittels Kupplung an die Vorderachse zu. Das ist bis maximal 170 Km/h möglich, danach wird abgeregelt.

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Über den Navigationsbildschirm gelangt man über einige Untermenüs zu den interessanten grafischen Darstellung der technischen Komponenten.

Die „Schaltwippen“ hinter dem Lenkrad sind dabei für etwas ganz anderes zuständig. Stichwort: Rekuperation. Die beiden Elektromotoren speisen ihre zuvor wegbeschleunigte Energie allein durch ihre „Motorbremse“ wieder in die Batterie zurück. Die „Schaltwippen“ steuern dabei die Stärke der Rekuperation in insgesamt sechs Stufen. Auf der höchsten Stufe wird so deutlich abgebremst, dass bei einer Bergabfahrt die Bremsen kaum noch benötigt werden. Auf der niedrigsten Stufe findet keinerlei Rekuperation statt.

Die sehr intuitive Bedienung über die Wippen führt nach kurzer Eingewöhnung dazu, dass man den Mitsubishi beinahe nur noch über die Rekuperation und das Gaspedal fährt. Bei vollem Leistungsabruf über letzteres werden durchaus akzeptable Beschleunigungswerte abgeliefert und bis zur Höchstgeschwindigkeit geht es flott voran. Negativ fällt beim Beschleunigen allenfalls die Geräuschkulisse auf: Der zum Antrieb beihelfende Benziner klingt dann sehr vernehmlich und wirkt sehr angestrengt. Das passt nicht zu dem sonst so leisen Habitus des Outlander und erst bei Geschwindigkeiten oberhalb von 130 Km/h tritt der Verbrenner wieder etwas mehr in den Hintergrund.

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Der Mitsubishi an seiner Stromtankstelle – zuhause. Rund fünf Stunden sind für die volle Ladung nötig.

Geht es auf die Langstrecke wird schnell klar, dass diese nicht das bevorzugte Revier des Hybrid-SUV ist. Wobei die Reisetauglichkeit unter der verbauten Technik nicht leidet. Kofferraum und Platzangebot reichen für die Reise zu viert locker aus und auch das Fahrwerk kommt mit den hiesigen Autobahnen gut zurecht. Vielmehr ist es der bauartbedingt kleine Tank mit einem Volumen von lediglich 45 Litern, der regelmäßig an die Zapfsäule zwingt und damit etwas nervt. Bei flotter Fahrweise genehmigte sich der Outlander zwischen 7,5 und 9,5 Litern auf 100 Kilometer. Für ein Zwei-Tonnen-SUV mit Allradantrieb zwar ein immer noch hoch respektabler Wert, doch trotzdem ist auch bei gemäßigter Fahrweise nach gut 550 Kilometern Schluss.

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Seine Stärken spielt das Konzept naturgemäß aber im Kurz- und Mittelstreckenverkehr aus. Denn hier kommt der Verbrenner zumeist nur zum Einsatz, um die Batterie wieder ein wenig aufzuladen. Auf den Straßen im Taunus mit großen Höhenunterschieden war zwar schnell der Verbrenner gefordert, dennoch kamen wir mit einem Minimalwert von 4,9 Litern auf 100 Kilometern im Umkreisbetrieb von 50 Kilometern rund um die heimische Steckdose aus.

Das Ganze gibt es aber natürlich nicht für lau: Mindestens 39.990 Euro kostet der Outlander PHEV in der Grundausstattung. Die von uns getestete Top-Variante mit Lederausstattung, Navigations- und Soundsystem sowie Schiebedach, elektrischer Heckklappe und Assistenzpaket brachte es auf 49.990 Euro.

Im Gesamtpaket kombiniert der Outlander PHEV auf faszinierende Weise alle Vorteile eines Elektroautos mit denen eines herkömmlichen Modells mit Verbrennungsmotor. Und das tut er so gekonnt, dass der Fahrer kaum Kompromisse eingehen muss. Im Gegenteil verfügt er über ein geländetaugliches Allrad-SUV mit fünf Sitzplätzen und jeder Menge Platz, das vollkommen emissionsfrei unter der Woche zur Arbeit fährt und am Wochenende den Kurzurlaub mit Kind und Kegel ebenso problemlos absolviert. „Dat is schon doll mit so ne Hybrid!“

Galerie: Mitsubishi Outlander PHEV

Technische Daten*:
Modell: Mitsubishi Plug-in Hybrid Outlander Top
Motor: 2,0-Liter Vierzylinder (vorn), jeweils ein Elektromotor vorne und hinten
Leistung: Benzinmotor: 89 kW, 121 PS, Elektromotoren: jeweils 60 kW, 82 PS
Antrieb: Allradantrieb (permanentelektrisch)
Gewicht: 1885 Kilogramm
Abmessungen (LxBxB): 4,65 x 1,80 x 1,67 Meter
Stromverbrauch: 13,4 kW/h pro 100 Km
Spritverbrauch: 1,9 l / 100 Km
Vmax: 170 Km/h
Preis: ab 39.990 Euro

*Herstellerangaben