Was wurde gelästert über die neue schnelle Limousine aus Stuttgart. Nur, weil er noch ein Stückchen länger als sein Vorgänger geworden ist, um genau zu sein: acht Zentimeter mehr und somit 5,05 Meter misst der Panamera II, hat sich aber sonst proportional kaum bis gar nicht verändert. Das Heck läuft nun etwas länger aus und ist weniger pummelig, ansonsten tat sich wenig bis gar nichts. Und deshalb wurde gelästert, aber das ist man ja bereits gewohnt bei Porsche.

Trotzdem: er sieht deutlich, deutlich! besser aus. Spötter werden nun sagen, dass das nicht besonders schwer war, den Vorgänger ein wenig schöner zu machen. Doch nicht nur die optischen Retuschen samt neuer Front mit Anleihen am 918 Spyder und der Heckpartie mit charakterprägendem Leuchtenband haben dem Panamera gut getan. Unter der Haube gibt es mehr Leistung, ein gänzlich neues Getriebe, ein überarbeitetes Fahrwerk sowie Fahrassistenzen (fast) ohne Ende.

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Am Anfang das wichtigste: es bleibt bei V8-Motoren in der großen Porsche-Limousine, sogar zwei davon bringen die Stuttgarter neu entwickelt gleich zur Markteinführung am 5. November 2016: der Panamera 4S Diesel trägt erstmals den aus dem Audi SQ7 abgeleiteten V8-Biturbo mit vier Litern Hubraum unter der Haube und legt gleich einen Rekord auf den Asphalt: Dank 285 Km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Beschleunigung von viereinhalb Sekunden auf Landstraßentempo ist er das momentan schnellste erhältliche Dieselauto auf der Welt. 422 PS, 850 Newtonmeter Drehmoment und der obligatorische Allradantrieb machen diese Werte trotz des hohen Gewichts von knapp über zwei Tonnen möglich.

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Trotz des Rekords ist der 4S Diesel immer noch der nominell (vorerst) langsamste Panamera der Reihe – in 4,4 Sekunden stürmt der 4S Benziner mit 440 PS auf 100 und schafft mit 289 Km/h vier Stundenkilometer mehr, obwohl er über zwei Zylinder weniger und ganze 300 Newtonmeter weniger verfügt. Dafür schleppt er aber auch fast 200 Kilogramm weniger Gewicht mit sich herum. Top of the range bleibt der Panamera turbo mit seinem 550 PS starken Vierliter-V8-Biturbo: in 3,8 Sekunden geht’s auf 100 Km/h, Schluss ist erst bei Tempo 306. Damit ist er beinahe genauso schnell wie der verflossene Panamera turbo S.

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Alle Varianten (neu: auch der Diesel) leiten ihre Power über ein neu entwickeltes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) an beide Antriebsachsen, ein Panamera mit simplem Hinterradantrieb und weniger Leistung dürfte später folgen, ebenso wie eine Hybridvariante. Obligatorisch ist eine Luftfederung, zusammen mit der elektronischen Dämpferregelung PASM sowie der Wankstabilisierung PDCC – neu ist die elektromechanische Lenkung sowie die Hinterachslenkung, deren Prinzip von 911 turbo und 918 Spyder übernommen wurde.

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Auf den aktuellen Stand wurden auch Fahrassistenzsysteme sowie das Interieur gebracht. Optional sind unter anderem ein Nachtsichtassistent, der zusammen mit den (ebenfalls optionalen) LED-Matrix-Scheinwerfern und Wärmebildkamera Menschen und Großwild erkennen und vor einem Zusammenstoß warnen soll. Ebenfalls neu ist das sogenannte Porsche InnoDrive: die Funktion erkennt und berechnet anhand der Navigationsdaten, Radarsensoren des adaptiven Tempomaten und der Kameras rund ums Auto die optimale Beschleunigungs- und Verzögerungsrate sowie den richtigen Fahrgang. Anhand dieser Werte wird der Fahrer dabei unterstützt, so effizient und sicher wie möglich fahren zu können, ohne unter Zeiteinbußen zu leiden. Übersetzt: mit eingeschaltetem Tempomaten soll der Panamera annähernd autonom so fahren, wie es der Fahrer selbst tun würde. Nur sparsamer.

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Dass diese optischen und technischen Weiterentwicklungen ihren Preis haben, versteht sich von selbst: so kostet der Einstiegs-Panamera 4S mindestens 113.027 Euro, für den flotten Diesel wollen die Stuttgarter schon 116.954 Euro haben. Wer mit 550 PS im turbo durch die Gegend schaukeln möchte, darf jedenfalls 153.011 Euro berappen. Wer es noch individueller mag, kann selbstredend auf das jüngst vorgestellte Exclusive-Programm zurückgreifen. Das kostet dann halt noch ein wenig mehr. Nächstes Jahr soll übrigens der Kombi folgen. Darauf freuen sich bestimmt schon die Spötter.

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