Die Zahl Vier steht für Volvo. Das möchte man der versammelten Presse oben in den verschneiten Bergen weismachen – und bevor jemand mit Schulnoten um die Ecke kommt: Uns geht es um die Motorisierung. Oh ja, die neue Antriebsoffensive der Schweden, die unter dem Namen Drive-E bereits seit eineinhalb Jahren läuft, konzentriert das Hauptgeschäft auf Vierzylindermotoren mit zwei Litern Hubraum und Aufladung. Und nochmal ja, die Zeiten, zu denen unter der schweren Haube ein Fünfzylinder mit Zwangsbeatmung werkelte, sind endgültig vorbei.

Und der Schmerz sitzt tief. Auch wenn die neuen (selbst entwickelten) Motoren ein ordentlicher Antrieb sind. Aber das Alteisen hängt eben an und trennt sich nur ungern von Liebgewonnenem wie dem guten alten Fünfender, der schon mit dem neu aufgelegten S60 im Jahr 2010 zumindest auf der Benzinerseite ausrangiert wurde. Die Ausdauer, mit der diese Motoren ohne zu zucken eine halbe Million Kilometer abspulten und dabei immer noch mehr Spaß machten als so manch dahergelaufener Direkteinspritzer, war unerreicht. Und erst der Klang …

Volvo XC60_01

Damit die alten Kamellen aber aus den Köpfen der eingeschworenen Altvolvo-Generation fliegen, lud Volvo (mittlerweile zum achten Mal) nach Oberbayern zu Wintertestfahrten ein. Jüngst wurde nämlich die 60er-Baureihe (S60, V60 und XC60) mit der neuen T6-Topmotorisierung bestückt. Die ist mit ihren 306 PS derzeit nur mit Vorderradantrieb zu haben, die Allradvariante (momentan noch mit sechs Zylindern) folgt aber in diesem Jahr.

Der kompakt bauende Motor mit 1.969 Kubik vertraut auf ein recht ungewöhnliches Konzept, verfügt er doch sowohl über einen Kompressor als auch einen Turbolader. Wir erinnern uns, das gab es auch schonmal bei den Kollegen von Volkswagen (1.4 TSI). Der kleine Roots-Kompressor ist für die Luftzufuhr des Turboladers zuständig und erst bei etwa 4.500 Umdrehungen pro Minute wird sein Einsatz überflüssig. Die theoretische Folge: ein gleichmäßiges Ansprechverhalten über das gesamte Drehzahlband.

Volvo XC60_02

Auch praktisch war das im höhergelegten XC60 spürbar: Knapp über der Leerlaufdrehzahl liegen bereits 300 Newtonmeter an, die vollen 400 setzt der Zweiliter zwischen 2.100 und 5.000 frei. Das Fahrerlebnis ist dementsprechend mit „gelassen“ gut umschrieben, surft man doch fast immer auf der hohen Drehmomentwelle, während die Achtgangautomatik dank kurzer Übersetzung immer den passenden Gang parat hat. Nur ihre Schaltvorgänge könnten etwas geschmeidiger von statten gehen.

Wer es drauf anlegt, beschleunigt den 1.834 Kilogramm schweren XC60 in 6,9 Sekunden auf Landstraßentempo, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 210 Km/h. Der Weg dorthin ist erst ab 180 Km/h etwas zäh, Zwischenspurts für Überholvorgänge erledigt der kleine Motor im großen Auto aber mit überraschender Gelassenheit. Einzig der Klang fällt mit dieselartigem Nageln negativ aus, was sich auch in der Stimmung der Insassen niederschlägt: So richtig möchte der Funke noch nicht überspringen. Die Emotionen, die freizusetzen der alte Fünfzylinder noch imstande war, fehlen bei „Drive-E“. Immerhin verzichtet Volvo auf einen synthetischen Motorklang aus dem Soundsystem. Die Traktion war für die winterlichen Straßenverhältnisse rund um Berchtesgaden immer ausreichend. Gerade mit der robusten Optik des XC60 würden wir jedoch auf den Allradantrieb warten, auch wenn dieser erneut auf das ohnehin üppige Gewicht schlagen wird.

Volvo XC60_04

Dafür entschädigt der höhergelegte Cross-Over mit einem überdurchschnittlichen Fahrkomfort, der auch vier Personen mit Gepäck zufriedenstellen kann. Die Verarbeitungsqualität und die verwendeten Materialien im Innenraum sind auf Oberklasseniveau, einzig das runderneuerte Navigationssystem (1.150 Euro) „Sensus“ fällt mit seinem kleinen Bildschirm und der gewöhnungsbedürftigen Bedienung ab. Zudem sind Bildschirm und Bedieneinheit zu weit unten montiert. Diverse Sicherheitssysteme (zum Teil gegen Aufpreis erhältlich) runden das Angebot des XC60 T6 ab, der in der Ausstattungslinie „Momentum“ ab 47.400 Euro beim Händler steht („Summum“ ab 50.680 Euro). Er hat jedoch einen Konkurrenten, der nur noch kurze Zeit zu haben ist: Den T6 mit Allradantrieb und sechs Zylindern. Er wäre eine Sünde wert, auch wenn die Vier ab sofort für Volvo steht.

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