Fahrbericht Land Rover Discovery Sport

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein Unternehmen der ehemaligen britischen Kronkolonie Indien ist für die Rettung zweier Marken des vereinigten Königreichs verantwortlich, die eigentlich zu den Kronjuwelen Großbritanniens gehören – Jaguar und Land Rover. Denn das aktuelle Comeback fundiert auf dem Geld des indischen Großkonzerns Tata. Speziell der Geländewagenbauer gedeiht mit der Kraft dieser Rupien prächtig. So hat man sich entschieden, dass Produktportfolio mit den drei Säulen Luxus (Range Rover), Freizeit (Discovery) und Zweckmäßigkeit (Defender) weiter aufzufächern und neu zu strukturieren. Den Startschuss für den familien- und freizeitorientierten Bereich macht jetzt der neue Discovery Sport, den wir im tief verschneiten Salzburger Land einem ersten kurzen Test unterziehen konnten.

Landrover Discovery Sport Test (16)

Noch muss man sich ein wenig an die neue Modellarchitektur gewöhnen, denn der Discovery Sport ersetzt nicht den hochaufragenden und bis zu 2,7 Tonnen schweren Discovery (ohne Sport), sondern den unauffälligen Freelander. Um im Kampf gegen die anderen siebensitzigen Wettbewerber von Nissan (X-Trail), Mitsubishi (Outlander) und Kia (Sorento), sowie die deutschen Platzhirsche X3, GLK und Q5 gut gerüstet zu sein, verabschiedet sich Land Rover also vom rustikalen Auftritt des Freelanders und orientiert sich optisch am feinen kleinen Range Rover Evoque, mit dem sich der Discovery Sport auch Plattform und die Antriebseinheiten teilt.

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Das Interessante dabei: Der Disco ist nicht nur deutlich geräumiger, als ein Evoque, sondern in der Basisversion auch 1.000 Euro günstiger: Los geht’s bei 32.250 Euro. Dass nennt man bei Land Rover wohl einen familienorientierten Preis. Doch Achtung: Erhältlich ist der so bepreiste Discover Sport 2.0 eD4 erst Mitte des Jahres und einen Allradantrieb vermisst man in dieser Version dann genauso wie das feine Neunstufen-Automatikgetriebe. Dafür erhält man erstmals den in Eigenregie entwickelten Antrieb der Ingenium-Motorenfamilie, während sich die mindestens 34.400 Euro teuren Allradmodelle noch mit dem vom PSA Konzern zugelieferten 2,2-Liter-Dieselmotor begnügen müssen.

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Speziell als 150 PS starker TD4 mit Sechsgang-Schaltgetriebe bewegt sich der Discovery Sport allerdings nicht so, wie es sein Namenszusatz (Sport) erwarten lässt. Da helfen auch das straff abgestimmte Fahrwerk und die angenehm präzise Lenkung nicht. Die Entfaltung der 400 Nm Drehmoment reichen einfach nicht aus, um den 1,8-Tonner zu knackigen Überholmanövern auf einer Bergstraße ansetzen zu lassen. Wer dann auch noch mit Kind und Kegel auf allen sieben Sitzplätzen unterwegs sein möchte, der sollte daher nochmals 6.600 Euro zusätzlich investieren und zum 190 PS starken SD4 (Grundpreis 41.000 Euro) greifen. Dann ist man wenigstens einigermaßen souverän unterwegs. Einen Verbrauchsnachteil erkauft man sich damit nicht, denn man kann in der Regel einen Gang höher fahren und sich gelassen mit weniger als acht Litern Diesel von A nach B bewegen.

Discovery-Sport

Wobei das Reisen im Discovery Sport besonders auf den gut konturierten Sitzen der ersten Reihe äußerst angenehm ist. Ein übersichtliches Cockpit, samt Infotainmentsystem, das über einen 8“ Touchscreen leicht zu bedienen ist, rundet in Kombination mit der feinen Materialauswahl im Innenraum das Wohlfühlambiente ab. In der zweiten Reihe geht es indes etwas rustikaler zu. Zwar ist das Raumangebot Dank der neuen kompakt bauenden Mehrlenker-Hinterachse großzügig, aber trotz der in Längsrichtung und Neigungswinkel justierbarer Rückbank thront man seltsam aufrecht – wie auf einem Kutschbock. Und ähnlich hart teilt das Fahrwerk den hinteren Passagieren auch die Fahrbahnbeschaffenheit mit. Zur Entschädigung gibt es jedoch genügend Steckdosen und ein optionales Entertainment Paket, um die aufmüpfige Kinderschar bei längeren Fahrten medial ein wenig zu sedieren.

Sicherlich noch etwas unbequemer sind die beiden Sitze der dritten Reihe, die hauptsächlich für die ganz kleinen Mitfahrer gedacht sind. Lässt man diese Bestuhlung im Wagenboden verstaut, stehen bis zu 981 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Das sollte ausreichen, um auch einen Ausflug in entlegene Regionen mit allen notwendigen Utensilien zu gestalten, denn Grenzen gibt es für den Discovery Sport eigentlich keine.

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Denn auch wenn der Disco Sport nicht den martialischen Allradantrieb samt Mittendifferenzial für das ganz grobe Gelände vom großen Discovery-Bruder geerbt hat, mit der serienmäßigen Haldexkupplung oder dem optionalen „Active Driveline“, einem Hinterachsdifferenzial mit kupplungsgesteuerter Kraftverteilung, stehen in diesem Mittelklasse SUV zwei moderne Allradsysteme zur Auswahl die den Disco fast so geländegängig machen wie seinen ehrwürdigen Ahn – den Defender. Und bei Bedarf sogar überraschend dynamisch: Mit dem serienmäßigen Bremseingriff-gesteuerten Torque Vectoring System und der vorwählbaren Kraftverteilung kann der sportlich ambitionierte Vater seine Familie durchaus auch mal im kernigen Drift auf geschlossener Schneedecke zum Skilift bringen.

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Notwendig ist dies natürlich nicht, doch dies trifft auch auf die Frage zu, wie häufig man wirklich einen Allradantrieb zum Vortrieb benötigt. Sicher ist jedoch eins: Land Rover hat mit dem Discovery Sport einen praktischen Crossover-Schönling geschaffen, der mit der vererbten Marken-DNA den Erfolg der Briten weiter vorantreiben wird.

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