Audi A1 Sportback im Fahrbericht

audi-a1_sportback_2012-7

Bild 1 von 19

1.302.650 Fahrzeuge hat Audi im Jahr 2011 abgesetzt und damit eins seiner ehrgeizigen Ziele auf dem Weg zum Premium Primus erreicht: Die schwäbsichen Kollegen mit dem Stern hinter sich lassen. Mit 1,231 Millionen Autos wurde Daimler mit den Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach von den Ingolstädtern klar auf Platz drei verwiesen. Nur der bayrische Nachbar aus München steht unangefochten vor ihnen. Mit 1,668 Millionen Einheiten ist und bleibt BMW der Premiumkrösus. Einen grossen Anteil an diesem Erfolg trägt mit rund 285.000 Autos die Marke MINI bei und genau das ärgert Audi.

Aus diesem Grund schob man 2010 den Audi A1 an den Start, der mit gleichem Radstand und ähnlicher Motorenpalette genau auf den MINI Hatch zielt. Doch Premium alleine scheint im Lifestyle Segment nicht unbedingt zum Erfolg zu führen. 118.200 Kleinwagen konnte die Marke mit den vier Ringen im ersten vollen Verkaufsjahr 2011 weltweit absetzen. Zu wenig in den Augen von Audi und desshalb würzte man den A1 jetzt mit einem Feature nach, dass der MINI nicht bieten kann: zwei zusätzlichen Türen. Im Audi Jargon heißen solche Varianten dann Avant, wenn es geräumiger wird, oder Sportback, wenn es attraktiver wird. Da der viertürige A1 nur marginal breiter, aber keinen Millimeter länger ist, fällt die erste Bezeichnung schonmal aus. Auch mit den zusätzlichen Türen ist im Fond nur wenig Platz für durchschnittlich gewachsene Mitteleuropäer. Aus diesem Grund scheint der Name Sportback treffender zu sein. Denn mit der acht Zentimeter längeren Dachlinie und der steileren C-Säule wirkt Audis kleinster deutlich gefälliger, obwohl das Heck weiterhin zwischen den attraktiven Brüdern A5 Sportback und A7 Sportback immer noch etwas pummelig auffällt.

Speziell Frauen und junge Familien sollen sich von der jüngsten A1 Variante angesprochen fühlen. Vorausgesetzt, die Kinder dieser Familien benötigen keinen Kinderwagen mehr, denn der passt definitiv nicht in den 270 Liter großen Kofferraum. Doch welcher Motor passt zu dem grimmig dreinblickenden Kleinwagen am besten? Wer kostenbewusst ist und keine langen Strecken zurücklegen muss, ist mit der 86 PS starken Einstiegsvariante für 16.950 Euro bestens bedient. Das 1,2 Liter große Benzin-Motörchen schnurrt brav und hat ab Leerlaufdrehzahl dank eines Turboladers genügend Leistung. Erst ab 4.500 Umdrehungen wirkt der Direkteinspritzer etwas zugeschnürt und hat sein Pulver von 160 Nm verschossen. Für den urbanen Alltag reicht das Feuer jedoch allemal und selbst ein kleiner Zwischensprint zum besten Supermarktparkplatz gewinnt dieser A1 locker.

Den harmonischsten Eindruck hinterließ jedoch der brandneue 1,4 Liter TFSI COD Motor, der sich mit 140 PS genau zwischen die 122 PS-Variante und die 185 PS-Topmotorisierung mit dem gleichen Hubraum presst. Die Abkürzung COD steht dabei für „cylinder on demand“ und ist eine aktuell im Trend liegende Technik zur Reduzierung von Emissionen und Benzinverbräuchen. Auf Deutsch spricht man dabei von „Zylinderabschaltung“. Zwei davon werden in dem kleinen Vierzylinder stillgelegt – Nummer zwei und drei. Jedoch nur, wenn die Drehzahl zwischen 1.400 und 4.000 U/min liegt und das abverlangte Drehmoment 75 Nm nicht übersteigt. Sichtbar wird dieser Effekt über eine kleine Anzeige im Cockpitdisplay, spürbar nur für äußerst sensible Insassen, denn im Zweizylinder Modus dringt ein leises Motorengeräusch in den Innenraum, das ein wenig an den Zweizylinder TwinAir Motor von Fiat erinnert.

Die für diesen Antrieb angegebenen 4,7 Liter NEFZ Durchschnittsverbrauch wurde im Test zwar nicht erreicht, aber der Verbrauchsvorteil gegenüber den beiden anderen 1,4 Liter-TFSI-Motoren war deutlich spürbar. Leider hat Audi für diese Motorisierung noch keinen Preis bekannt gegeben. Der wird jedoch irgendwo zwischen dem handgeschalteten 122 PS-Modell für 19.350 Euro und dem 25.100 Euro teuren Topmodell mit 185 PS liegen, das ausschließlich mit dem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe zu ordern ist.

Doch auch drei Diesel Motoren mit 90, 105 und 143 Pferdestärken dürfen je nach Wunsch und Geldbeutel in dem 3,95 Meter langen Audi A1 werkeln. Richtig Freude kommt jedoch nur bei dem neuen Zweiliter-Antrieb auf. Weniger wegen der höchsten Motorleistung und den souveränen Fahrleistungen, als vielmehr wegen des harmonisch abgestimmten Sechsgang-Getriebes und dem deutlich weniger dieseltypischen Motorengeräuschs. Warum Audi den beiden schwächeren 1,6-Liter-Dieselvarianten eine bessere Motorkapselung und den sechsten Gang vorenthält, können wahrscheinlich nur die Ingolstädter Controller sagen.

Dies gilt auch für die Materialanmutung im Innenraum. Auch hier müsste zur Klärung wohl die bayerischen Zahlen-Finanz-Schubser zu Rate gezogen werden. Denn trotz perfekter Ergonomie und einer selbsterklärenden Menüführung von MMI und Navigationssystem, fehlt dem A1 die haptische Differenzierung zu den Konzernbrüdern Skoda Fabia, Seat Ibiza und Volkswagen Polo, die den Audi-typischen Aufpreis rechtfertigen würde.

Ähnliches gilt auch für das Fahrverhalten. Sportliche Ambitionen werden durch ein sehr sicheres, aber auch deutlich untersteuerndes Fahrverhalten frühzeitig unterbunden. Auf kurvigem Geläuf flackert daher häufig das gut abgestimmte ESP, das jedoch auch im abgeschalteten Modus immer wieder als Spielverderber dazwischenfunkt. Die anvisierte Zielgruppe wird dies jedoch kaum stören, denn im cosmopoliten Alltag differenziert sich die junge Frau von heute weniger über Fahrdynamik, als über ein exklusives Interieur sowie Exterieur. Und hier hat Audi alles zu bieten, was Frau, aber auch Mann von Welt gefällt. Mit dem style- oder dem media-Paket, der S- oder exclusive-line kann man seinen A1 mit viel Leder, viel Farbe, noch mehr Dekors, Spoiler und bis zu 18 Zoll großen Rädern auf Lifestyle trimmen. Jedoch springt dann das Preisschild im Konfigurator auch gerne über die 30.000 Euro-Grenze. Doch wie heißt es so schön? Wer schön sein will, muss leiden. Auch im neuen Audi A1 Sportback.

Ähnliche Artikel:

Kommentare geschlossen

Kommentarfunktion abgeschaltet. Zu diesem Artikel können keine Kommentare veröffentlicht werden.